Bundestag beschließt Reform: Altersvorsorge-Depot löst Riester ab

Der Bundestag hat die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Was hinter dem neuen Altersvorsorge-Depot steckt – Zuschüsse, Garantien, Chancen und Risiken.

Bundestag beschließt Reform: Altersvorsorge-Depot löst Riester ab

Der Deutsche Bundestag hat am Freitag eine umfassende Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen. Nach jahrelanger Kritik an der Riester-Rente soll ab 2027 ein neues Altersvorsorge-Depot die zentrale Rolle übernehmen. Ziel ist ein System, das klarer, kostengünstiger und renditestärker sein soll – und endlich wieder mehr Menschen dazu bringen soll, privat fürs Alter vorzusorgen.

Der politische Anspruch ist hoch. Künftig soll es nicht mehr nur ein einzelnes Standardmodell, sondern gleich mehrere Varianten mit unterschiedlichen Sicherheitsgarantien und Ertragserwartungen geben. Dazu gehören Angebote mit voller Kapitalgarantie, Modelle mit abgesenkter Garantie – etwa 80 % der Einzahlungen – und ein Altersvorsorge-Depot ohne solche Zusagen, das ganz auf langfristige Renditechancen am Kapitalmarkt setzt. Ergänzend ist ein staatlich organisiertes Standarddepot geplant, das mit gedeckelten Kosten und einfachen Regeln überzeugen soll.

Die Pläne der Bundesregierung sind hochgesteckt. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sprach in seiner Rede im Bundestag von einem „Meilenstein„. Die Reform sei der dritte Baustein neben einer vermeintlich stabilen gesetzlichen Rente und einer zuletzt gestärkten Betriebsrente und richte sich ausdrücklich an „alle Generationen und alle Einkommen„.

Der Fokus liegt klar darauf, gerade kleine und mittlere Einkommen stärker in die Pflicht der zusätzlichen Vorsorge zu nehmen – sowie Gruppen, die bisher nur schlecht oder gar nicht erreicht wurden, etwa viele Selbstständige.

Die zentralen Eckpunkte auf einen Blick

Die wichtigsten Kernpunkte der Reform lassen sich wie folgt kompakt zusammenfassen:

  • staatliche Zuschüsse von bis zu rund 540 Euro pro Jahr (gestaffelt nach Beitragshöhe)
  • zusätzlicher Kinderzuschlag von 300 Euro jährlich für förderberechtigte Kinder
  • Einbeziehung von Selbstständigen, die bisher oft durchs Raster gefallen sind
  • Mehrere Garantie- und Renditemodelle:
    • 100-%-Garantie
    • 80-%-Garantie
    • Altersvorsorge-Depot ohne Garantie
  • Geplantes staatliches Standarddepot mit gedeckelten Kosten
  • Perspektivisch eine Frühstartrente für Kinder mit regelmäßigen staatlichen Einzahlungen

Wie das Altersvorsorge-Depot funktionieren soll

Im Zentrum der Reform steht die Abkehr von einer stark versicherungsförmigen Riester-Rente hin zu einem echten Depot. Statt überwiegend auf Zinsgarantien setzt das Altersvorsorge-Depot auf breit gestreute Kapitalmarktanlagen. Ob über Indexfonds, aktiv gemanagte Fonds oder andere Vehikel – entscheidend ist, dass langfristig Renditechancen genutzt werden können, die klassische Sparprodukte kaum bieten.

Die Reform sieht mehrere Ebenen der Absicherung vor: Wer besonders sicherheitsorientiert ist, soll weiterhin Produkte wählen können, bei denen 100 % der eingezahlten Beiträge für die Auszahlungsphase garantiert sind. Wer mehr Risiko akzeptiert, entscheidet sich für Varianten mit reduzierter Garantie, etwa 80 % des Kapitals. Und wer die volle Logik des Kapitalmarkts nutzen möchte, wählt ein Depot ohne Garantiezusage und akzeptiert dafür deutlich größere Schwankungen – mit entsprechend höheren Ertragsperspektiven auf lange Sicht.

Das geplante Standarddepot, das von einem öffentlichen Träger angeboten werden soll, bildet eine Art Referenzmodell. Es soll mit klaren Anlagerichtlinien, einem Kostendeckel und einheitlichen Regeln arbeiten.

Neues Fördermodell: Zuschüsse statt komplizierter Riester-Logik

Mindestens genauso wichtig wie die Produktstruktur ist der Umbau der Förderung. Die alte Riester-Förderung mit fixer Grundzulage und Kinderzulagen war nur sehr schwer durchschaubar, bürokratisch und in vielen Fällen ineffizient.

Das neue System setzt stärker auf gestaffelte Zuschüsse, die unmittelbar an die eigenen Einzahlungen gekoppelt sind. Für die ersten gesparten Euro will der Staat 50 Cent zusätzlich geben, für weitere Einzahlungen bis zu einer bestimmten Grenze halbiert sich diese Zulage auf 25 Cent. So sollen vorwiegend kleine Sparbeträge mit einer hohen Quote besonders incentiviert werden. Im Ergebnis soll eine jährliche Grundförderung von bis zu 540 Euro möglich sein.

Hinzu kommt ein zusätzlicher Kinderzuschlag in Höhe von 300 Euro pro Jahr. Besonders relevant ist zudem die geplante Einbeziehung von Selbstständigen. Gruppen, die bislang wenig Zugang zu geförderter privater Vorsorge hatten, sollen damit stärker erreicht werden.

Kapitalmarktchancen für kleine und mittlere Einkommen

Das neue System ist somit deutlich kapitalmarktorientierter als das bisherige. Für kleine und mittlere Einkommen ist das hauptsächlich dann ein Vorteil, wenn drei Bedingungen zusammenkommen:

  1. müssen die Produkte wirklich kosteneffizient sein! Hohe Gebühren können selbst bei soliden Renditen einen großen Teil der Erträge auffressen. Der geplante Kostendeckel im Standarddepot ist daher ein zentraler Prüfstein.
  2. braucht es ausreichend lange Anlagehorizonte! Wer früh beginnt und über Jahrzehnte regelmäßig in ein Altersvorsorge-Depot einzahlt, kann kurzfristige Rückgänge in der Regel besser abfedern. Genau hier setzt auch die geplante Frühstartrente an, bei der der Staat für Kinder monatlich einen kleinen Betrag in ein Depot einzahlen soll.
  3. muss die Kommunikation ehrlich bleiben! Renditechancen funktionieren nur, wenn gleichzeitig klar benannt wird, dass Verluste auf dem Weg dorthin möglich sind. Gerade Haushalte mit knappem Budget können es sich oft nicht leisten, in ungünstigen Marktphasen panisch zu verkaufen.

Was Sparer aus der Reform mitnehmen können

Mit dem Altersvorsorge-Depot entsteht ein neues, klar kapitalmarktnahes Förderprodukt. Der Staat will die zusätzliche, private Altersvorsorge mit Zuschüssen, Kinderzuschlägen und einem Standarddepot mit Kostendeckel attraktiv machen. Für viele Menschen, insbesondere mit kleinen und mittleren Einkommen, kann das eine echte Chance sein, ihre ganz sicher viel zu geringen Rentenzahlungen aufzubessern.

Gleichzeitig bleibt die Reform kein Selbstläufer. Sie verlangt, dass Sparer sich mit ihrer eigenen Risikobereitschaft, ihrem Zeithorizont und der Rolle des Depots im Gesamtbild der Altersvorsorge auseinandersetzen. Die gesetzliche Rente bleibt die Basis, die betriebliche Vorsorge ein wichtiger Ergänzungsbaustein. Das Altersvorsorge-Depot kommt als dritter Pfeiler hinzu, der vorrangig dann wirkt, wenn früh begonnen und die langfristige Logik des Kapitalmarkts verstanden und akzeptiert wird.

Ob die Reform das Vertrauen in die private Altersvorsorge zurückgewinnt, hängt damit weniger von Schlagworten wie „Meilenstein“ oder „Standarddepot“ ab, sondern von der Praxis: Wie niedrig sind die Kosten wirklich? Wie verständlich sind die Produkte? Wie fair und verlässlich funktioniert die Förderung? Und gelingt es, die Chancen klar zu benennen, ohne die Risiken kleinzureden?

All diese Fragen wird die Diskussion über das Altersvorsorge-Depot auch nach dem Bundestagsbeschluss noch klären müssen – eine Aktienrente, die das eigentliche Rentensystem stabilisieren sollte, ist das lange nicht. Der erste Schritt ist jetzt jedenfalls getan!

Letzte Aktualisierung am 5.04.2026 um 02:31 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Andreas Stegmüller

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.