Immobilienpreise steigen wieder: Wohneigentum bleibt trotzdem schwer

Immobilienpreise ziehen wieder an. Für Eigentümer beruhigend, für Käufer bitter: Zinsen, Nebenkosten, Bürokratie und Mietregulierung halten Eigentum teuer.

Immobilienpreise steigen wieder: Wohneigentum bleibt trotzdem schwerBild: KI-generiert

Für Wohneigentümer und Hausbesitzer ist ein steigender Immobilienmarkt beruhigend: Die Wohneinheit steht in der eigenen Vermögensbilanz wieder besser da und verliert auf dem Papier nicht weiter an Wert. Nach der Zinswende und den fallenden Preisen der vergangenen Jahre ist das durchaus eine Erleichterung.

Für alle, die noch kaufen wollen, ist das dagegen bitter. Sie besitzen keinen entsprechenden Vermögenswert, der sich erholt, und stehen vor einem Preis, der wieder steigt und Wohneigentum damit wieder verteuert. Dazu kommen Zinsen, Kaufnebenkosten, Eigenkapitaldruck, Sanierungspflichten und ein Staat, der Eigentum an vielen Stellen eher bremst als erleichtert.

Und genau darin liegt der Widerspruch: Deutschland redet seit Jahren über bezahlbares Wohnen, behandelt Eigentumsbildung aber wie ein Luxusproblem. Wer kaufen will, zahlt erst einmal Eintritt. Wer bauen will, landet in Vorschriften und Genehmigungen, und wer vermieten möchte, bekommt Regulierung und politische Unsicherheit gleich mitgeliefert. Danach wundert sich die Politik, dass zu wenig Wohnraum entsteht.

Steigende Preise helfen nicht allen

Immobilienpreise haben immer zwei Gesichter: Wer schon eine Immobilie besitzt, fühlt sich bei steigenden Preisen besser. Das Haus wirkt wertvoller, die Wohnung steht stabil in der eigenen Vermögensbilanz, die Finanzierung sieht weniger angespannt aus – zumindest auf dem Papier.

Für Mieter mit Kaufwunsch passiert genau das Gegenteil: Ein höherer Kaufpreis bedeutet nicht nur ein größeres Darlehen. Er zieht auch die Nebenkosten mit nach oben. Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und oft Makler hängen direkt oder indirekt am Kaufpreis. 50.000 Euro mehr sind deshalb oftmals 50.000 Euro mehr Schulden.

So entsteht Vermögensabstand oder, anders gesagt: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf. Wer bereits Eigentum besitzt, hält einen Vermögenswert, der mit dem Markt steigen kann. Wer noch keines hat, muss diese Entwicklung aus dem laufenden Einkommen, den Ersparnissen und der Kreditfähigkeit einholen.

Das Einkommen muss dann jeden Monat neu verdient, versteuert und gegen steigende Kosten verteidigt werden. Eigentum hingegen kann im Hintergrund mitlaufen, Wert speichern, Schulden entwerten, die Miete ersetzen und über Jahrzehnte Vermögen bündeln. Wer kein Eigentum aufbauen kann, bleibt länger auf der falschen Seite der Rechnung.

Die Nullzinswelt kommt nicht einfach zurück

Viele Immobiliengespräche klingen noch so, als wäre die Nullzinsphase nur kurz verschwunden. Aber sie ist inzwischen ganz weit weg. Früher konnten hohe Kaufpreise durch sehr niedrige Zinsen überdeckt werden. Ein Objekt für 500.000 Euro war teuer, aber bei 1 % Zins für manche Haushalte noch machbar. Die monatliche Rate sah erträglich aus, obwohl der Preis längst hoch war.

Heute ist dieselbe Rechnung härter. Ein etwas niedrigerer Kaufpreis hilft wenig, wenn der Zins deutlich höher steht. Käufer zahlen nicht den Immobilienindex. Sie zahlen jeden Monat Zins, Tilgung, Nebenkosten, Rücklagen, Versicherung, Grundsteuer und irgendwann die nächste Reparatur. Ein Haus ist kein einfacher Depotposten, der nach dem Kauf still herumliegt. Es braucht ein Dach, Heizung, Fenster, Elektrik, Dämmung und manchmal alles zur ungünstigsten Zeit. Bei älteren Gebäuden reicht eine größere Sanierung, und aus einer knappen Finanzierung wird ein Problem, das jeden Monat mit am Küchentisch sitzt.

Steigende Preise in einer höheren Zinswelt sind deshalb kein gutes Signal für Käufer. Sie bedeuten mehr Kredit, mehr Eigenkapital, mehr Nebenkosten und weniger Spielraum für Fehler. Wer zu knapp kalkuliert, kauft keine Freiheit. Er kauft eine Belastung, die pünktlicher ist als jedes Gehalt.

Die Nebenkosten sind der erste Schlag

Deutschland macht Eigentum bereits vor dem ersten Tilgungseuro teuer. Je nach Bundesland liegt die Grunderwerbsteuer bei bis zu 6,5 %. Dazu kommen Notar, Grundbuch und häufig Makler. Bei einem normalen Kauf sind so schnell Zehntausende Euro weg, bevor auch nur ein einziger Euro in die eigene Immobilie fließen kann.

Dieses Geld baut kein Bad, repariert kein Dach und senkt keine Monatsrate. Es schafft keinen Wohnraum, der den Mietmarkt in diesen Zeiten entschärfen könnte. Die hohen Hürden sind gewissermaßen das Eintrittsgeld in den Immobilienmarkt. Für den Staat ist das bequem. Für Käufer ist es oft die Hürde, an der der Traum vom Eigentum endet, bevor er überhaupt angefangen hat. Gerade junge Familien, Durchschnittsverdiener und Haushalte ohne Erbe trifft das hart. Sie scheitern nicht zwingend an der monatlichen Rate, sondern daran, gleichzeitig Nebenkosten, Eigenkapitalanforderungen und Sicherheitsreserve aufzubringen. Wer 40.000 oder 50.000 Euro nur für den Einstieg benötigt, spart lange, bevor er überhaupt über Umzug, Möbel oder Sanierung sprechen kann.

Politisch ist das schwer zu ertragen. Private Vorsorge wird dauernd beschworen, gleichzeitig kassiert der Staat ausgerechnet beim Weg in einen der wichtigsten Vermögensbausteine kräftig mit. Wer Eigentum breiter ermöglichen will, müsste den Einstieg erleichtern. Deutschland macht ihn teuer.

Bauen scheitert nicht nur am Materialpreis

Beim Neubau wird das Problem besonders sichtbar: Das Angebot ist knapp, die Nachfrage riesig. Deutschland benötigt einfach mehr Wohnungen. Gleichzeitig macht das Land Bauen langsam, teuer und nervenaufreibend. Genehmigungen dauern, Zuständigkeiten sind zersplittert, Auflagen wachsen, Standards ändern sich, und am Ende kostet jeder zusätzliche Haken im Verfahren Geld.

Natürlich benötigt Bauen Regeln. Niemand möchte unsichere Gebäude, schlechten Brandschutz oder Pfusch bei Statik und Energie. Aber irgendwann entscheidet die Summe. Energieanforderungen, Stellplatzregeln, Schallschutz, Brandschutz, kommunale Vorgaben, Nachweise, Dokumentationspflichten und lange Verfahren ergeben dann kein sinnvolles Schutzsystem mehr, sondern eine bürokratische Kostenmaschine, die automatisch im Kaufpreis oder in der Miete steckt. Genau dieser Punkt wird politisch gerne übersehen. Wer Bauen teurer und langsamer macht, kann danach nicht glaubwürdig über bezahlbaren Wohnraum klagen.

Große Projektentwickler können Bürokratie eher tragen. Sie haben Rechtsabteilungen, Finanzierungspartner und Erfahrung mit Behörden. Private Bauherren, kleine Vermieter und mittelständische Investoren überlegen sich dagegen dreimal, ob sie sich das antun. Wenn sie aussteigen, wird der Markt nicht sozialer. Er wird kleiner und damit konzentrierter.

Die Mietpreisbremse verwaltet den Mangel

Die Mietpreisbremse klingt nach Schutz für diejenigen, die es sich vermeintlich nicht leisten können, Wohneigentum anzueignen. Natürlich sind steigende Mieten für viele Haushalte ein echtes Problem. Wer jeden Monat einen großen Teil des Einkommens an den Vermieter überweist, der benötigt eine Wohnung, die bezahlbar bleibt, um seinen Lebensunterhalt halbwegs stemmen zu können.

Nur entsteht bezahlbarer Wohnraum nicht durch eine politisch festgelegte Zahl im Mietvertrag. Wenn an gefragten Orten zu wenig Wohnungen vorhanden sind, bleibt die Knappheit. Ein gedeckelter Preis baut keine neue Wohnung, beschleunigt keine Genehmigung und macht kein Grundstück günstiger. Dieser Eingriff versteckt die Signalwirkung von Preisen und zerstört langfristig den Markt. Für private Vermieter wird das alles unattraktiver. Wer eine einzelne Wohnung vermietet, trägt dieses Risiko anders als ein großer Bestandshalter. Manche investieren weniger. Manche verkaufen und wiederum andere lassen gänzlich die Finger von weiteren Objekten.

Wer Mieten begrenzt, ohne Angebot zu schaffen, verteilt den Mangel. Die Warteschlange wird länger, die Auswahl kleiner, der Wettbewerb härter. Am Ende profitieren oft diejenigen, die schon drin sind. Wer neu sucht, findet noch weniger.

Kaufen ist wichtig, aber kein Freifahrtschein

Bei aller Kritik an den Hürden: Kaufen ist nicht automatisch besser als Mieten. Ein überteuerter Kauf mit knapper Finanzierung ist kein Vermögensplan, sondern ein echtes Klumpenrisiko ohne große Diversifikation. Wer nach dem Notartermin keine Rücklage mehr hat, besitzt zwar eine Immobilie, aber kaum Bewegungsfreiheit. Er hat sich im wahrsten Sinne des Wortes einen riesigen Betonklotz ans Bein gebunden. Ein Haus bindet immer Kapital, Zeit und Standort. Es konzentriert Vermögen auf ein Objekt, eine Lage und eine Finanzierung. Wenn Einkommen, Immobilie und Alltag alle an derselben Region hängen, entsteht ein Klumpenrisiko, das gerne klein geredet wird. Dazu kommen Reparaturen, Modernisierung und politische Vorgaben.

Trotzdem bleibt Eigentum ein zentraler Vermögensbaustein. Nicht, weil jede Immobilie automatisch reich macht, sondern weil Eigentum langfristig anders wirkt als Konsum. Wer tilgt, baut Eigenkapital auf. Wer schuldenfrei wohnt, senkt im Alter laufende Kosten. Wer vermietet, kann Einkommen aus Vermögen erzielen.

Mieten kann dagegen sinnvoll sein, wenn der Kaufpreis nicht zur eigenen Finanzstruktur passt. Dann muss Vermögensaufbau aber woanders stattfinden: über Aktien, Beteiligungen, Altersvorsorge oder andere produktive Vermögenswerte. Dauerhaft mieten und daneben nichts aufbauen, ist keine gute Entscheidung. Man bleibt immer abhängig: Egal ob von Arbeitseinkommen, dem Mietmarkt und gar einfach nur vom Staat.

Der Staat bremst und wundert sich

Die deutsche Wohnungspolitik hat ein altes Muster: Sie bekämpft sichtbare Symptome und verschärft gleichzeitig die Ursachen. Hohe Mieten werden reguliert und hohe Kaufpreise beklagt. Ein Neubau wird versprochen, gleichzeitig bleiben Kaufnebenkosten hoch, Verfahren langsam, Regeln kompliziert und Investitionen politisch unsicher. Der Staat nimmt beim Kauf, bremst beim Vermieten, verkompliziert beim Bauen und wundert sich dann über Knappheit und das zu Recht aufbegehren der Bevölkerung. Vieles davon wird sozial begründet. Praktisch trifft es immer die Mitte: Familien, junge Käufer, kleine Vermieter, Durchschnittsverdiener und Menschen ohne Erbe.

Eine echte Eigentumsgesellschaft entsteht so nicht. Nicht durch Mietpreisbremsen, Förderprogramme mit komplizierten Bedingungen oder neue politische Versprechen. Sie entsteht, wenn mehr gebaut wird, wenn Einstiegskosten sinken, wenn Genehmigungen schneller laufen und wenn Eigentum nicht ständig so behandelt wird, als sei es ein Problem, das man misstrauisch verwalten muss.

Deutschland braucht nicht noch mehr Reibung auf dem Wohnungsmarkt. Es braucht mehr Angebot und niedrigere Hürden für Menschen, die Verantwortung übernehmen, kaufen, bauen, sanieren oder vermieten wollen!

Letzte Aktualisierung am 19.07.2026 um 18:00 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Andreas Stegmüller

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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