11,5 Millionen Menschen sollen ab diesem Monat eine Steuererklärung erhalten, die schon fast fertig aussieht. Die App MeinElster+ nutzt Daten, die der Finanzverwaltung bereits vorliegen, baut daraus einen Erklärungsvorschlag und zeigt eine Vorschau auf den Steuerbescheid. Danach kann alles geprüft, angepasst und eingereicht werden.
Das ist ein riesiger Fortschritt, jedoch alles andere als ein Steuergeschenk. Der Staat baut kein Werkzeug, das automatisch die höchste Rückerstattung sucht. Er baut ein Verfahren, das vorhandene Daten schneller verarbeitet, ohne diesen Vorteil weiterzugeben.
Der Staat hat viele Daten längst im System
Bei einfachen Steuerfällen ist die alte Steuererklärung oft eine Zumutung: Lohnsteuerbescheinigung, Rentenbezugsmitteilungen, Krankenversicherungsbeiträge und andere Standarddaten liegen bereits digital vor. Trotzdem mussten Bürger lange vorgeben, als würden sie dem Staat etwas völlig Neues mitteilen. MeinElster+ beendet diese Dopplung zumindest für eine erste Zielgruppe: Alleinstehende Arbeitnehmer ohne Kinder und Menschen mit Alterseinkünften ohne weitere Einkünfte sollen seit diesem Monat bundesweit von der Funktion profitieren. Entwickelt wurde das Verfahren im Rahmen der länderübergreifenden Steuerdigitalisierung.
Der Ablauf passt ins Jahr 2026: App öffnen, Vorschlag prüfen, bei Bedarf ergänzen und abschicken. Für Menschen, die bisher wegen Papier, Formularen oder ELSTER-Oberfläche überhaupt keine Erklärung abgegeben haben, kann das Geld bringen. Nicht weil der Staat großzügiger wird, sondern weil überhaupt eine Erklärung abgegeben wird.
Einnahmen sind leichter zu erfassen als Ausgaben
Doch in genau dieser Datenlage steckt die größte Schwäche. Einnahmen sind in Deutschland in Form von Lohn, Rente, Kapitalerträgen, Sozialversicherungsbeiträgen und vielen Versicherungsdaten für den Staat optimal einsehbar, da er diese automatisch gemeldet bekommt. Ausgaben sind dagegen viel schwieriger sichtbar: Pendelstrecke, Arbeitsmittel, Fortbildung, Bewerbungskosten, Homeoffice, Handwerker, Pflegekosten, Spenden, Krankheitskosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen hängen an der Lebensrealität und den Belegen einzelner.
Ein Teil davon taucht nicht automatisch in MeinElster+ auf, sondern wird lediglich über Pauschalen abgedeckt, obwohl die tatsächlichen Kosten vielleicht darüber liegen. Am Ende bezahlt man mehr an den Fiskus, als man eigentlich müsste. Wer den App-Vorschlag übernimmt, bekommt lediglich eine schnelle Steuererklärung.
Die Bequemlichkeit hat ihren Preis
Digitale Verfahren verändern Verhalten. Ein leerer Steuerbogen zwingt zum Nachdenken, auch wenn es mühsam ist. Ein fertiger Vorschlag wirkt dagegen wie eine Einladung zum Abhaken. Das spart Zeit, kann aber eben auch bares Geld kosten. Das ist kein Vorwurf an die App, denn Vorbefüllung ist sinnvoll. Ein moderner Staat sollte Bürger nicht jedes Jahr dieselben Daten suchen lassen. Nur darf aus Verwaltungslogik keine finanzielle Passivität werden. Das Finanzamt prüft, was steuerlich erklärt wird, und sucht nicht aktiv nach jeder Ausgabe, die noch fehlen könnte.
Für einfache Fälle kann MeinElster+ völlig ausreichen. Bei wechselnden Jobs, Nebeneinkünften, hohen Fahrtkosten, größerem Homeoffice-Anteil, Pflegefällen, Krankheitskosten oder Vermietung wird es schnell schwieriger. Und erst recht dann, wenn man noch weitere Einkunftsarten wie eine freiberufliche Tätigkeit, eine Selbstständigkeit oder Erträge aus Veräußerungsgeschäften alias Kryptowährungen hat.
Einordnung
Deutschland diskutiert gerne über einfachere Verfahren, und das ist gut so, denn Bürokratie nervt! Der größere Punkt bleibt jedoch die Belastung auf Arbeitseinkommen und die Einkünfte allgemein. Eine Steuererklärung, die schneller abgegeben wird, ändert nichts an der kalten Progression, den Sozialbeiträgen, Grenzsteuersätzen oder daran, dass aus mehr Brutto nicht automatisch mehr Vermögen entsteht.
MeinElster+ vereinfacht lediglich den Prozess und sollte nicht einfach ungeprüft übernommen werden. Wenn die App zehn Minuten spart, aber eine vergessene Ausgabe 200 Euro kostet, war die Bequemlichkeit teuer. Die eigene Steuerlage sollte stets geprüft werden!
- Erledigt die Einkommensteuer-Erklärung 2025 mit allen Einkunftsarten. Mit Mantelbogen und allen Formularen. Daten-Übernahme aus dem Vorjahr. Kostenloser Telefonsupport und kostenlose Updates.
- WISO Steuer 2026 zeigt sofort die Erstattung oder Nachzahlung. Hunderte Steuer-Tipps, über 150 Videos mit Tipps rund um Ihre Steuererklärung. Steuer-Ratgeber für die optimale Erstattung.
- Feststellungserklärung 2025 für Erbengemeinschaften und BGB-Gesellschaften. Auch für EÜR, Umsatz- und Gewerbesteuer-Erklärung, Umsatzsteuer-Voranmeldung, Lohnsteuer-Anmeldung, Fahrtenbuch
- Schnell-Rechner für Gehalt, Abfindung, Erbschaft, Kfz-Steuer, Riester und vieles mehr. Automatischer Vergleich des Steuerbescheids mit der Programmberechnung, Musterschreiben an das Finanzamt.
- Für 64-Bit-System mit Windows 10 oder 11 und mit aktuellem Featurerelease und/oder macOS ab 12.00 ( Monterey) mit jeweils 3 GB freiem Festplattenspeicher; 4 GB freiem RAM; Grafik ab 1280 x 800; Internetzugang für ELSTER, Videos, Aktivierung und Updates. 2 GB freiem Festplattenspeicher, 2 GB verfügbarem RAM (empfohlen 3 GB). (Mac 3 bz. 4 GB) Grafik ab 1280 x 800. Internetzugang für ELSTER, Videos und Updates.
Letzte Aktualisierung am 10.08.2026 um 22:56 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API




