Steuerlast: Wie viel vom Gehalt im Alltag verschwindet

3.500 Euro brutto wirken solide. Arbeitgeberkosten, Kirchensteuer, Sozialabgaben und Konsum zeigen, warum am Monatsende kaum Spielraum bleibt.

Steuerlast: Wie viel vom Gehalt im Alltag verschwindetBild: KI-generiert

Wenn am Monatsanfang 2.311 Euro auf dem Konto eingehen, sieht das auf den ersten Blick nach einer brauchbaren Summe aus, mit der sich der normale Alltag locker bestreiten lässt. Zieht man jedoch den eigentlichen Bruttolohn in Höhe von 3.500 Euro heran, trübt sich das Bild schnell etwas ein. Gehen dann noch die Daueraufträge ab, muss das Auto betankt oder der Urlaub bezahlt werden, langt der Staat noch einmal kräftig zu. Selbst wer Geld für seine Zukunft in einen breit gestreuten ETF steckt, kommt um das Finanzamt nicht herum.

Tatsächlich hat der Arbeitgeber für diesen Bruttolohn sogar rund 4.246 Euro bezahlt. Der Unterschied zwischen Arbeitskosten und Bruttolohn besteht primär aus seinem Anteil an den Sozialbeiträgen und Umlagen. Einkommen- und Kirchensteuer gehen später vom Bruttolohn des Arbeitnehmers ab. Danach geht es nicht steuerfrei weiter: Strom, Heizung, Tanken, Alkohol, Restaurantbesuche, Urlaub und Freizeit enthalten weitere Abgaben.

Die folgende Rechnung begleitet einen alleinstehenden Arbeitnehmer durch einen Monat. Die Modellperson lebt in Bayern, ist kinderlos, gesetzlich krankenversichert und Mitglied einer steuererhebenden Kirche. Der Warenkorb entspricht keinem statistischen Durchschnitt, finanziert aber keinen extravaganten Lebensstil.

Der Arbeitgeber zahlt mehr als 4.200 Euro

Bereits zu Beginn sind die angenommenen 3.500 Euro Bruttolohn nicht die tatsächlichen Kosten für die Arbeitskraft. Der Arbeitgeber bezahlt zusätzlich Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In dieser Rechnung entstehen dadurch monatliche Zusatzkosten für den Arbeitgeber in Höhe von fast 750 Euro. Um der Modellperson 3.500 Euro brutto auszuzahlen, fallen auf Arbeitgeberseite also fast 4.250 Euro an – die Differenz fließt in gesetzliche Kassen und Umlagen, nicht auf das Konto des Arbeitnehmers. Die Lohnabrechnung ist also immer nur die halbe Wahrheit.

PositionBetrag
Arbeitgeberkosten insgesamtca. 4.246 Euro
Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherungca. 746 Euro
Bruttolohn3.500 Euro
Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherungca. 761 Euro
Lohnsteuerca. 396 Euro
Kirchensteuer in Bayernca. 32 Euro
Solidaritätszuschlag0 Euro
Auszahlungsbetragca. 2.311 Euro

Auf Arbeitnehmerseite bezahlt unser fiktiver Steuerzahler einen Eigenanteil für die Sozialversicherungen in Höhe von 761 Euro und zusätzlich ca. 396 Euro Lohnsteuer. Da er in Bayern der Kirche angehört, fallen auf die Einkommensteuer 8 % Kirchensteuer an, was rund 32 Euro im Monat entspricht. Die Kirchensteuer ist keine staatliche Steuer, wird jedoch über die Finanzverwaltung eingezogen und an die Kirche weitergeleitet.

Bis zur eigentlichen Auszahlung auf dem Privatkonto des Arbeitnehmers sind damit rund 1.935 Euro abgeflossen. Darin stecken etwa 1.507 Euro Sozialbeiträge, 428 Euro direkte Steuern. Sicher, die Sozialbeiträge sind keine Steuern und finanzieren lediglich konkrete Ansprüche wie Rente, Krankenversicherung oder Arbeitslosengeld.

Für das Monatsbudget zählt allerdings vorwiegend der Geldfluss: Von 4.246 Euro Arbeitskosten stehen nur 2.311 Euro für Miete, Einkauf und Rücklagen zur Verfügung. Das sind bereits nur noch rund 54 %.

Die Miete ist erst der Anfang

Von den ungefähr 2.311 Euro netto muss die Modellperson den gesamten Monat bestreiten. Der Warenkorb ist dabei nicht besonders luxuriös gewählt. Die Kaltmiete liegt bei 700 Euro, für einen etwaigen Urlaub werden 55 Euro im Monat zurückgelegt, was ca. 660 Euro im Jahr entspricht und somit nicht einmal für eine große Reise ausreicht, sondern lediglich für eine kurze Auszeit.

Weitere typische Ausgaben sind 250 Euro für Lebensmittel, 50 Euro für Telefon und Internet, 60 Euro für Kleidung und Haushalt sowie 225 Euro für Freizeit. Das Auto wird mit 140 Euro für Versicherung und Wartung sowie mit 180 Euro für Kraftstoff veranschlagt. Ein besonders ausufernder Lebensstil ist das nicht.

LebensbereichMonatsbetragSteuern, grob
Kaltmiete700 Euro0 Euro
Nebenkosten150 Euroca. 12 Euro
Strom90 Euroca. 18 Euro
Heizung130 Euroca. 20 bis 30 Euro
Rundfunkbeitrag18,36 Eurokein Steuerbetrag
Lebensmittel250 Euroca. 22 bis 27 Euro
Restaurantbesuche120 Euroca. 10 bis 15 Euro
Kraftstoff180 Euroca. 100 bis 110 Euro
Auto: Versicherung, Kfz-Steuer, Wartung140 Euroca. 25 bis 30 Euro
Telefon und Internet50 Euroca. 8 Euro
Kleidung und Haushalt60 Euroca. 10 Euro
Freizeit, einschließlich Alkohol225 Euroca. 32 bis 41 Euro
Urlaub, monatlich zurückgelegt55 Euroca. 6 bis 8 Euro bei Verbrauch
Gesundheit und sonstige Versicherungen40 Euroca. 5 Euro
Steuerberatung, auf das Jahr umgelegt25 Euroca. 4 Euro Umsatzsteuer
ETF-Sparrate für die Altersvorsorge75 Eurokeine Steuer auf die Einzahlung; Vorabpauschale abhängig vom Depotwert
Gesamtausgaben2.308,36 Euroca. 272–318 Euro plus ggf. Vorabpauschale
Verfügbares Netto2.311 Euro
Rest für ungeplante Ausgaben2,64 Euro

Die Steuerbeträge sind allesamt Näherungen. Sie enthalten ggf. Umsatzsteuer, Energie- und Verbrauchsteuern, Kfz-Steuer sowie Versicherungssteuer. Der Rundfunkbeitrag und das Honorar für die Steuerberatung sind keine Steuern. Die Vorabpauschale für das ETF-Depot ist in der Monatssumme nicht als fixer Betrag enthalten, weil sie vom Depotstand, vom jährlichen Basiszins und von den Ausschüttungen des Fonds abhängt. Bei einer monatlichen Sparrate von 75 Euro beginnt die Vorabpauschale in der Regel mit einem kleinen Betrag und wächst mit dem Depot. Im ersten Jahr kann sie unter einem Euro im Monat betragen und später auf einige Euro im Monatsdurchschnitt steigen.

Die Miete selbst ist zumindest für den Mieter grundsätzlich steuerfrei. Bei einer Wohnung mit 700 Euro Kaltmiete bleibt dieser größte einzelne Posten deshalb zunächst ohne Abgaben. Nebenkosten, Strom und Heizung sind jedoch nicht steuerfrei. Die Nebenkosten enthalten etwa Umsatzsteuer auf Hausmeister-, Wartungs- oder Handwerkerleistungen. Beim Strom kommen Umsatzsteuer und Energiesteuer hinzu. Bei 90 Euro Stromkosten können das grob 18 Euro werden.

Bei der Heizung hängt viel vom Energieträger ab. Wer mit Gas heizt, bezahlt nicht nur die gelieferte Energie, sondern auch Umsatzsteuer und den CO₂-Preis. Bei 130 Euro im Monat sind dafür in diesem Modell 20 bis 30 Euro angesetzt. Auch das entspricht keinem Luxusleben.

Beim Tanken wird die Belastung besonders spürbar

Zwei Tankfüllungen im Monat zu jeweils 90 Euro dürften bei einem längeren Arbeitsweg oder regelmäßigen Familienbesuchen ausreichen. Rund 100 bis 110 Euro kommen so an der Zapfsäule für Energiesteuer, CO₂-Bepreisung und Umsatzsteuer beim Finanzamt an. Die Umsatzsteuer wird dabei sogar auf den gesamten Endpreis erhoben, also auch auf bereits enthaltene Energiesteuern und andere Abgaben. Der Staat greift hier doppelt zu: Die Steuer auf die Steuer der Steuer.

Das Auto kostet in der Monatsplanung zuzüglich 140 Euro für Versicherung, Kfz-Steuer, Wartung und kleinere Reparaturen. Je nach Zusammensetzung der Posten sind weitere 25 bis 30 Euro steuerlich bedingt.

Freizeit kostet ebenfalls Steuern

Die veranschlagten 225 Euro für Freizeit werden in der Tabelle bewusst zusammengefasst: Als junger Arbeitnehmer geht unsere Modellperson einmal im Monat feiern und gibt beispielhaft 80 Euro für Bier, Wein und Spirituosen aus. Alkohol wird unterschiedlich besteuert – grob kann man von einem Steueranteil von 20 bis 25 Euro ausgehen. Für Restaurantbesuche gilt seit 2026 eine Besonderheit: Speisen werden mit 7 % Umsatzsteuer belastet, Getränke weiterhin mit 19 %. Bei monatlichen Ausgaben in Höhe von 120 Euro und einem gemischten Essen- und Getränkekonsum entsteht so eine ungefähre Steuerlast in Höhe von 10 bis 15 Euro.

Im Freizeitposten stecken außerdem andere Freizeitaktivitäten wie Kultur, Gaming oder Bücher. Kulturveranstaltungen werden je nach Leistung unterschiedlich besteuert. Gaming-Ausgaben für digitale Inhalte, Spiele oder Hardware unterliegen häufig dem regulären Umsatzsteuersatz von 19 %. Bücher werden dagegen mit 7 % Umsatzsteuer belastet. Für die drei Freizeitbereiche ohne Alkohol ergibt sich damit ein Steueranteil von ca. 12 bis 16 Euro. Zusammengerechnet landet der Freizeitposten bei etwa 32 bis 41 Euro.

Auch dieser Betrag steht nicht für ein Luxusleben. Er kann sich aus zwei Abenden mit Freunden, einem oder zwei Kulturterminen, einem neuen Spiel für die Konsole und einigen Büchern zusammensetzen. Gerade solche Ausgaben verschwinden in vielen Haushaltsrechnungen unter „Sonstiges“.

Das Urlaubsbudget funktioniert ähnlich. Die 55 Euro monatliche Rücklage lösen zunächst keine Steuer aus. Aus 660 Euro im Jahr werden später allerdings eine Bahnfahrt oder Tankfüllung, Übernachtungen, Essen außer Haus und Eintrittskarten. Auf diese Leistungen fallen je nach Ort und Art Umsatzsteuer sowie bei Kraftstoff weitere Abgaben an. Im Monatsdurchschnitt sind dafür 6 bis 8 Euro angesetzt.

Steuerberatung kostet zusätzlich

Für die Steuerberatung sind 25 Euro im Monat angesetzt. Das entspricht 300 Euro im Jahr und dürfte damit eigentlich nur eine eher einfache Steuererklärung abdecken. Ein Steuerberater ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Der Aufwand steigt aber schnell, wenn etwa ein Arbeitszimmer, eine Vermietung, Kapitalerträge aus mehreren Banken oder Fortbildungskosten dazukommen. Dann stehen drei Wege offen: Zeit in die eigene Erklärung investieren, Steuersoftware bezahlen oder einen Dienstleister beauftragen. Auf diese Ausgabe entfällt in unserem Beispiel ein Steueranteil in Höhe von rund 4 Euro.

Der Posten gehört trotzdem in eine Rechnung über den Alltag. Wer seine Steuerpflicht ohne eigenes Fachwissen erfüllen will, bezahlt entweder mit Zeit, mit einer Software oder mit dem Honorar eines Dienstleisters. Die Kosten des Steuersystems tauchen nicht alle auf dem Steuerbescheid auf. Das gilt auch für den Rundfunkbeitrag. Er ist ein öffentlich-rechtlicher Beitrag und wird unabhängig vom tatsächlichen Fernsehkonsum erhoben. Da er den zur Verfügung stehenden Geldbetrag jeden Monat mindert, den man sonst ausgeben könnte, ist dieser in dieser Rechnung mit auszuweisen.

Wer spart, zahlt auf den Ertrag

Die Haupttabelle enthält eine Sparrate von 75 Euro für die eigene Altersvorsorge. Diese 75 Euro stammen aus Einkommen, auf das bereits Lohnsteuer und Sozialbeiträge angefallen sind. Wer sie am Monatsanfang beiseitelegt, muss die übrigen 2.246 Euro für alle anderen Positionen reichen lassen. Die Besteuerung endet damit nicht zwangsläufig.

Angenommen, jeden Monat werden 75 Euro über zehn Jahre angelegt und die Anlage erzielt im Durchschnitt 5 % Rendite pro Jahr, dann werden aus den anfänglich eingezahlten 9.000 Euro rund 11.650 Euro. Der Wertzuwachs läge bei etwa 2.650 Euro, was spätestens dann einen Steuerfall auslöst.

Vorsorge nach zehn JahrenBetrag
Einzahlungen9.000 Euro
Depotwert bei 5 % angenommener Jahresrenditeca. 11.650 Euro
Wertzuwachsca. 2.650 Euro
davon nach Sparer-Pauschbetrag steuerpflichtigca. 1.650 Euro
Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuerca. 434 Euro
einschließlich Kirchensteuer in Bayerninsgesamt grob 467 Euro

Je nach Anlageform und Zeitpunkt der Ausschüttung wird der Ertrag unterschiedlich über die Kapitalertragsteuer besteuert. Die Vorabpauschale betrifft hauptsächlich den nicht oder nur teilweise ausschüttenden Fonds. Ein Depot kann im Laufe des Jahres im Wert steigen, obwohl kein Euro ausgeschüttet und kein Anteil verkauft wurde. Der Fiskus setzt dann unter bestimmten Voraussetzungen einen pauschalen Mindestbetrag als Ertrag an. Darauf wird bereits Steuer fällig. Ein sinkender Fondswert verhindert die Vorabpauschale und Ausschüttungen mindern den anzusetzenden Betrag. Die Kapitalertragsteuer gehört deshalb nicht als fixer Posten in die monatliche Konsumrechnung, wohl aber in die Rechnung der privaten Vorsorge.

Besteuert wird grundsätzlich der Ertrag und nicht die eingezahlten 9.000 Euro. Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro für Alleinstehende bleibt steuerfrei, sofern er nicht bereits durch andere Kapitalerträge ausgeschöpft ist. Auf die verbleibenden rund 1.650 Euro würden bei einer vollständig steuerpflichtigen Kapitalanlage ungefähr 434 Euro Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag entfallen. Bei einer Kirchenmitgliedschaft in Bayern wären es wegen der zusätzlichen Kirchensteuer grob 467 Euro.

Bei Fonds können außerdem besondere Regeln gelten. Für bestimmte Aktienfonds gibt es eine Teilfreistellung, die den steuerpflichtigen Ertrag reduziert. Bei thesaurierenden ETFs kann die Vorabpauschale dennoch bereits vor einem Verkauf zu einer Steuerzahlung führen. Wer über Jahre Anteile hält und die Erträge im Fonds bleiben lässt, kann eine Abbuchung auf dem Verrechnungskonto sehen, obwohl kein Verkaufserlös auf dem Girokonto angekommen ist.

Schwächt Menschen, die ein Mindestmaß an Eigenverantwortung gezeigt haben

Wer vorsorgt, übernimmt das Anlagerisiko und zahlt auf den erfolgreichen Teil erneut Abgaben. Verluste lassen sich steuerlich zwar innerhalb der jeweiligen Verlustverrechnungstöpfe gegen Gewinne aufrechnen, einen Anteil des Verlusts überweist der Staat aber nicht zurück. Für die Altersvorsorge zählt deshalb nicht die Rendite vor Steuern, sondern der Betrag, der nach Steuern tatsächlich im Depot bleibt.

Ein knappes Monatsbudget erschwert den Vermögensaufbau gleich zweimal: Erst fehlt das Geld für die Einzahlung, später wird der Ertrag belastet.

Mehr als die Hälfte sind Abgaben

In den 2.308 Euro Monatsausgaben steckt nach dieser Modellrechnung ein Steueranteil unterschiedlichster Steuerarten von ungefähr 272 bis 318 Euro. In unserem Beispiel beläuft sich die gesamte Abgabenlast auf einen Anteil von knapp 51 bis 53 %. Damit geht mehr als jeder zweite Euro an den Staat und die Gesellschaft. Das liegt knapp unter der Quotenzahl, die der Bund der Steuerzahler regelmäßig herausgibt. Und damit auch weit weg von besonders extremen Modellbeispielen, deren Warenkörbe deutlich auf teure Konsumwarenkörbe getrimmt sind.

Ein Luxusleben führt man in unserem Modell nicht – im Gegenteil, es wird im Monatsbudget ausgesprochen eng. Wirklich Rücklagen oder erholsame Urlaubsreisen kann man damit nur schwer aufbauen.

BelastungsstufeBetrag
Lohnsteuer und Kirchensteuerca. 428 Euro
Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgeca. 1.507 Euro
Indirekte Steuern im Konsumca. 272 bis 318 Euro
Steuern und Sozialbeiträge insgesamtca. 2.207 bis 2.253 Euro
Arbeitgeberkostenca. 4.246 Euro
Belastungsquoterund 52 bis 53 %
Rundfunkbeitrag zusätzlich18,36 Euro
Monatsrest nach Warenkorb und ETF-Sparrate2,64 Euro

Welche Steuern den größten Anteil ausmachen

Bei den reinen Steuern kommen in diesem Modell drei große Blöcke zusammen: Einkommensteuer, indirekte Steuern im Konsum und Kirchensteuer. Die Einkommensteuer liegt bei rund 396 Euro im Monat, die Kirchensteuer bei etwa 32 Euro. Umsatzsteuer, Energieabgaben, Verbrauchsteuern, Kfz-Steuer und Versicherungssteuer summieren sich je nach Warenkorb auf ungefähr 272 bis 318 Euro.

Damit entfallen von der reinen Steuerlast von rund 700 bis 746 Euro ungefähr 53 bis 57 % auf die Einkommensteuer, 4 bis 5 % auf die Kirchensteuer und rund 39 bis 43 % auf indirekte Steuern. In einer mittleren Annahme liegt der Anteil der Konsumsteuern bei etwa 41 %. Die Einkommensteuer ist damit der größte einzelne Posten. Zusammengenommen erreichen die Steuern auf Konsum, Energie, Mobilität und Freizeit aber fast dieselbe Größenordnung.

Die Verteilung erklärt auch, weshalb sich die Belastung so unterschiedlich anfühlt. Die Lohnsteuer ist auf der Abrechnung klar zu erkennen. Die indirekten Steuern kommen in kleinen Portionen: beim Wocheneinkauf, auf der Stromrechnung und besonders deutlich beim Tanken. Allein der Kraftstoffposten trägt mit 100 bis 110 Euro rund 15 % der reinen Steuerlast dieses Modells. Wer kein Auto benötigt oder kaum heizt, verschiebt diese Gewichtung sofort.

Das Bild ändert sich, sobald Sozialbeiträge einbezogen werden. Dann stehen rund 1.507 Euro Sozialbeiträgen etwa 396 Euro Einkommensteuer, 32 Euro Kirchensteuer und 272 bis 318 Euro indirekten Steuern gegenüber.

BelastungsartBetragAnteil an Steuern und Sozialbeiträgen
Sozialbeiträgeca. 1.507 Euroca. 67 bis 68 %
Einkommensteuerca. 396 Euroca. 17 bis 18 %
Kirchensteuerca. 32 Euroca. 1 bis 1,5 %
Indirekte Steuern im Konsumca. 272 bis 318 Euroca. 12 bis 14 %
Gesamtca. 2.207 bis 2.253 Euro100 %

Was die Zahlen ebenfalls deutlich machen: Mit einem Arbeitgeberbrutto von 4.246 Euro, bzw. einem Arbeitnehmerbrutto von 3.500 Euro bleibt selbst mit einem sehr gemäßigten Lebensstil am Ende des Monats nicht viel Geld übrig, um etwas für schlechtere Zeiten oder gar die Altersvorsorge zurückzulegen. Selbst ein überschaubarer Sparplan passt nur dann in den Monat, wenn Urlaub und andere variable Ausgaben stark begrenzt werden. Wer kein produktives Einkommen aufbauen kann, bleibt immer vom Arbeitseinkommen abhängig. Und: Mit 50 % mehr gehört man in Deutschland bereits zu den Spitzenverdienern. Absurd!

Was ab 2027 zusätzlich geplant ist

Kurz vor der politischen Sommerpause hat die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD einige Reformen auf den Weg gebracht. Die Einkommensteuerreform soll zum 1. Januar 2027 starten und ab 2028 vollständig wirken. Geplant sind höhere Freibeträge, ein höherer Arbeitnehmer-Pauschbetrag und Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen. Der Spitzensteuersatz soll später einsetzen. Sehr hohe Einkommen sollen im Gegenzug stärker belastet werden. Außerdem ist vorgesehen, die Pauschalsteuer auf Minijobs von 2 auf 5 % zu erhöhen und den steuerlichen Abzug für Handwerkerleistungen von 20 auf 15 % zu senken.

Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung hat die Bundesregierung außerdem eine Zuckerabgabe und eine Plastikabgabe angekündigt. Für beide Maßnahmen fehlen noch konkrete Sätze und Details. Es zeigt sich aber: Der Staat sucht nach weiteren Möglichkeiten, seine eigenen Haushaltslücken zu stopfen. Perspektivisch wird es nicht günstiger für den Steuerzahler, sondern eher teurer. Bei diesen beiden Zusatzsteuern dürften Hersteller, Handel und Verbraucher die Kosten erfahrungsgemäß zumindest teilweise weiterreichen, womit Limonade, Fertiggerichte und stark verpackte Haushaltswaren erheblich teurer werden dürften.

Auch die Alkoholsteuer auf Spirituosen und Alkopops soll steigen. Bier und Wein sind nach den bisherigen Angaben nicht betroffen. Die Tabaksteuer soll ebenfalls erhöht werden, wobei das Rauchen in dieser Rechnung ohnehin nicht berücksichtigt wurde. Für Kryptowährungen sollen neue Regeln zur Besteuerung und Erfassung auf den Weg gebracht werden.

Die CO₂-Bepreisung auf Kraftstoffe und Heizenergie besteht bereits. Mit dem europäischen Emissionshandel ETS2 soll der Verkehr und der Gebäudebereich ab 2027 stärker über Zertifikate gesteuert werden. Das ist keine klassische Steuer, verteuert Tanken und Heizen aber auf demselben Weg. Der Autofahrer sieht es an der Zapfsäule, der Mieter häufig erst mit der Heizkostenabrechnung. Mögliche Reformen bei Rente, Pflege und Krankenversicherung wirken ebenfalls nicht als Steuer, sondern über höhere Beiträge.

Was am Monatsende bleibt

Die Modellperson verdient 3.500 Euro brutto und kostet den Arbeitgeber rund 4.246 Euro. Auf dem Konto landen ungefähr 2.311 Euro. Nach Miete, Energie, Mobilität, Lebensmitteln, Freizeit, Urlaub, Kirchensteuer, den indirekten Steuern des Alltags sowie einer ETF-Sparrate von eher beschaulichen 75 Euro bleiben 2,64 Euro übrig. Große Sprünge sind da nicht drin, ein Luxusleben ist das bei Weitem nicht.

Ein höherer Grundfreibetrag kann den Arbeitnehmer entlasten. Eine Zuckerabgabe, eine Plastikabgabe, höhere Verbrauchsteuern, CO₂-Kosten und steigende Sozialbeiträge können die Entlastung an anderer Stelle wieder aufzehren. Wer Vermögen aufbauen will, muss zusätzlich Vorabpauschale und Kapitalertragsteuer einplanen. Zwischen Arbeitgeber und Depot liegen damit nicht nur zwei Steuern, sondern eine lange Kette aus Beiträgen, Abgaben und Preisen, die selten gemeinsam sichtbar wird.

Der Staat ist regelmäßig damit beschäftigt, die Belastung und Abgaben ständig umzuverteilen.

Letzte Aktualisierung am 10.08.2026 um 05:41 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Andreas Stegmüller

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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