Drawdown Trading: Warum 20 % Verlust 25 % Gewinn brauchen 

Drawdown Trading verständlich erklärt: Warum Verluste überproportional aufgeholt werden müssen und wie Verlustserien das Konto belasten.

Drawdown Trading: Warum 20 % Verlust 25 % Gewinn brauchen Bild: KI-generiert

Wenn das eigene Trading-Konto 20 % verliert, dann genügen für den Ausgleich keine 20 % Gewinn. Das verbliebene Kapital muss um 25 % zulegen, um den ursprünglichen Kontostand wieder zu erreichen. Bei einem Verlust von 50 % ist sogar eine Verdopplung des Restkapitals nötig und damit eine Performance von 100 %. Diese einfache Rechnung macht deutlich, warum Kapitalerhalt im Trading viel wichtiger ist als das Vermeiden einzelner, kleinerer und vor allem kalkulierter Verluste. Als Drawdown wird der Rückgang eines Kontos oder einer Position vom bisherigen Höchststand bezeichnet. Es geht nicht nur um den Verlust gegenüber dem Startkapital, sondern auch immer um den Weg zurück zu einem früheren Zwischenhoch.

Trading-Drawdown beginnt am Höchststand

Angenommen, ein Handelskonto steigt von 10.000 Euro auf 12.000 Euro und fällt danach zurück auf 10.800 Euro. Der Verlust gegenüber dem Höchststand beträgt 1.200 Euro und entspricht somit 10 %. Trotzdem liegt der Rückgang noch immer über dem Startwert. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn ein Konto kann insgesamt zwar im Gewinn liegen, gleichzeitig aber trotzdem einen erheblichen Drawdown durchlaufen. Der Kontostand steht dann einfach über dem ursprünglichen Kapital, aber unter dem bisherigen Höchstwert.

Für die Handelsplanung zählt häufig der maximale Drawdown. Gemeint ist der größte Rückgang vom Hoch bis zum folgenden Tief innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Diese Zahl zeigt, welche Belastung eine Strategie in einer schlechten Phase erzeugt hat.

Verluste und Gewinne sind nicht symmetrisch

Ein Verlust reduziert immer die Kapitalbasis, mit der später wieder potenzielle Gewinne erwirtschaftet werden können. Man muss also mit weniger Geld eine größere Rendite erzielen, nur um den ursprünglichen Kontostand wiederherzustellen. Nach einem Verlust von beispielsweise 30 % bleiben nur noch 70 % des ursprünglichen Kapitals übrig, das den Verlust theoretisch wieder ausgleichen muss. Um wieder auf 100 % zu kommen, muss der Restbestand von 70 % um 42,9 % steigen, um wieder bei den ursprünglichen 100 % zu landen.

Das Problem verschärft sich, wenn nach einem Verlust die Positionsgröße erhöht wird. Dann muss nicht nur ein mathematischer Rückstand aufgeholt werden. Es wird gleichzeitig ein höheres Risiko eingegangen, während das Konto bereits geschrumpft ist. Ein größerer Verlust ist deshalb nicht einfach nur ein schlechter Monat. Er verändert die Ausgangslage des gesamten Handelskontos erheblich.

VerlustNötiger Gewinn bis zum Ausgangswert
10 %11,1 %
20 %25 %
30 %42,9 %
40 %66,7 %
50 %100 %
70 %233,3 %

Eine Verlustserie kann bei kleinen Einzelrisiken groß werden

Ein einzelner Trade, für den nur 1 % des insgesamt zur Verfügung stehenden Kapitals eingesetzt wird, klingt nach einem guten Plan. Theoretisch hat der Trader 100 Versuche, um einen Gewinn zu erzielen, der mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis vergangene Verluste reinholen oder dem Trader vielleicht sogar einen Gewinn bescheren kann. Mathematisch und stochastisch ist das mit einem CRV von nur 3:1 oder 4:1 sogar sehr gut möglich. Dennoch summieren sich mehrere Verluste hintereinander rasch auf und schlagen sich dann womöglich auf die Psychologie des Traders nieder – und genau deswegen ist Trading so schwierig.

Bei einem Konto in Höhe von 10.000 Euro und einem festen Verlust von 100 Euro pro Trade ergeben zehn vollständige Verluste einen Rückgang auf 9.000 Euro. Das Konto liegt dann bereits 10 % unter dem Ausgangswert. Wird das Risiko jeweils auf den aktuellen Kontostand berechnet, fällt der Rückgang etwas geringer aus:

10.000 Euro x 0,99^10 ≈ 9.044 Euro

Der Drawdown beträgt in diesem Fall rund 9,6 %. Die ursprünglichen 1 % Risiko schützen den Trader aber nicht vollständig: Bereits zehn Verluste hintereinander können die Einschätzung einer Strategie, die Positionsgröße und das Verhalten stark beeinflussen. Eine Verlustserie muss daher vor dem ersten Trade einbezogen werden. Eine Strategie, die in den historischen Daten höchstens fünf Verluste hintereinander produziert hat, ist nicht automatisch auf sechs oder zehn Verluste vorbereitet.

Historische Ergebnisse beschreiben die Vergangenheit, garantieren jedoch keine Obergrenze für die nächste Verlustphase. Eine Statistik ist immer aussagekräftig, trotzdem gibt es innerhalb der Statistik den Fall eines Ausreißers – und den kann jeden Trader zu jeder Zeit treffen. Wer sich nicht an die Regeln hält oder halten kann, verliert. Auch deshalb ist ein Trading-Tagebuch so wichtig.

Der Versuch, Verluste schnell zurückzuholen

Nach einem Verlust entsteht häufig ein unmittelbarer Handlungsdruck. Das Konto soll schnell wieder auf den alten Stand gebracht werden, und so können aus einem eigentlich kalkulierten und planbaren Risiko von 50 Euro dann 100 Euro werden. Mit doppelter Positionsgröße steigt schließlich auch der potenzielle Gewinn. Nach einem weiteren Verlust steigt die Position erneut.

Dieses sogenannte Martingal-Verhalten verändert die gesamte Risikostruktur. Jeder neue Trade soll nicht mehr nur eine eigene Handelsidee umsetzen. Er soll zusätzlich frühere Verluste ausgleichen, und dadurch wird ein einzelner Trade mit einer Aufgabe belastet, die er nicht zwangsläufig erfüllen kann. Der Markt kennt weder den bisherigen Kontostand, noch interessiert er sich für einzelne Teilnehmer. Eine Position wird nicht wahrscheinlicher profitabel, weil die vorherigen Trades verloren haben.

Der Versuch, Verluste zurückzuholen, führt deshalb oft zu größeren Positionen, schlechteren Einstiegen und einem weiter wachsenden Drawdown. Eine Strategie kann nur auf der Grundlage ihres eigenen Erwartungswerts bewertet werden.

Drawdown und Positionsgröße gehören zusammen

Die Positionsgröße bestimmt, wie stark sich eine Handelsserie auf das Konto auswirkt. Eine Strategie mit derselben Trefferquote kann bei unterschiedlichen Positionsgrößen völlig verschiedene Drawdowns erzeugen:

  • Kontostand: 10.000 Euro
  • fünf Verlusttrades
  • Risiko pro Trade: 0,5 %

Bei einer konstanten Positionsgröße entsprechen fünf Verluste ungefähr 250 Euro. Das Konto liegt dann rund 2,5 % unter dem Ausgangswert. Bei 2 % Risiko pro Trade steigt der Rückgang auf ungefähr 1.000 Euro. Die Handelsidee ist dieselbe, lediglich die Auswirkungen auf das Konto sind andere. Das Risiko pro Trade darf deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Zusätzlich gehören Tagesverlust, Wochenverlust und maximaler Gesamtdrawdown in den Handelsplan.

Eine Strategie kann auf dem Papier profitabel sein und trotzdem nicht zum verfügbaren Kapital passen. Wenn die Verlustphase psychologisch oder finanziell nicht ausgehalten werden kann, wird sie vor dem möglichen Erreichen ihrer statistischen Vorteile abgebrochen.

Der maximale Drawdown ist eine Belastungsprobe

Eine Handelsstrategie sollte nicht nur nach dem durchschnittlichen Gewinn bewertet werden. Auch die schwierigste historische Phase gehört in die Prüfung.

Wichtige Kennzahlen sind:

  • größter Rückgang vom Kontohöchststand
  • längste Verlustserie
  • durchschnittlicher Verlust
  • Erholungsdauer bis zum neuen Hoch
  • Anzahl der Trades innerhalb der Verlustphase
  • Änderung der Positionsgröße während des Rückgangs

Die Erholungsdauer wird häufig unterschätzt, denn ein Konto kann nach einem Rückgang zwar mathematisch schnell zurückkehren, wenn wenige starke Gewinne folgen. In der Praxis bleibt die Erholung aber von neuen Verlusten, veränderten Marktbedingungen und geringerer Risikobereitschaft abhängig. Ein Drawdown von 10 % kann dazu führen, dass Trades ausgelassen, Gewinne zu früh mitgenommen oder Regeln spontan verändert werden. Die psychologische Belastung wirkt dann auf die spätere Statistik zurück.

Tageslimits verhindern nicht jeden Verlust

Ein Tagesverlustlimit kann den Schaden eines einzelnen Handelstages mindern, jedoch keinen langfristigen Drawdown verhindern, wenn das Verlustlimit an mehreren Tagen hintereinander erreicht wird. Auf den ersten Blick kann ein tägliches Limit von 2 % sinnvoll erscheinen. Wenn dieses allerdings an fünf Tagen nacheinander erreicht wurde, hat man trotzdem schon rund 10 % des Kontos verloren. Werden die Limits danach nicht angepasst, kann eine schlechte Handelsphase weiter das Konto belasten.

Ein vollständiger Plan benötigt daher mehrere Absicherungen:

  • maximales Risiko pro Trade
  • maximales Gesamtrisiko offener Positionen
  • Tagesverlustlimit
  • Wochen- oder Monatslimit
  • Regel für eine Reduzierung der Positionsgröße
  • Regel für eine Rückkehr zur Auswertung oder ins Demokonto

Eine Strategie darf nicht nur in guten Phasen bewertet werden

Viele Trading-Ergebnisse sehen überzeugend aus, wenn nur die Gewinnmonate betrachtet werden. Ein vollständiges Bild entsteht allerdings erst durch die Verbindung von Gewinnphase mit Drawdown. Dafür müssen auch schwache Phasen untersucht werden:

  • Wie verhält sich die Strategie in einer Seitwärtsphase?
  • Wie groß ist der Rückgang nach mehreren Fehlsignalen?
  • Was passiert bei schnellen Nachrichtenbewegungen?
  • Wie viele Trades werden benötigt, um einen Verlust auszugleichen?
  • Bleibt die Strategie nach Kosten positiv?

Ein positiver Erwartungswert bedeutet nicht, dass jeder Monat positiv endet. Er bedeutet, dass die Handelsidee bei ausreichend vielen Wiederholungen einen statistischen Vorteil besitzen kann. Der Drawdown zeigt, welchen Preis die Strategie auf dem Weg dorthin verlangt. Wenn dieser Preis höher ist als die finanzielle oder psychologische Belastbarkeit, passt nicht nur die Positionsgröße nicht. Dann passt die gesamte Strategie nicht zum verfügbaren Kapital.

Kapitalerhalt ist eines der wichtigsten Themen im Trading, denn ohne Kapital bleibt keine Zeit, einen möglichen statistischen Vorteil lange ausnutzen zu können.

Letzte Aktualisierung am 7.08.2026 um 06:03 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Andreas Stegmüller

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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