Aktienanalyse: Verizon (VZ)

Die Verizon-Aktie liefert stabile Cashflows und rund 6 % Dividende. Die Analyse zeigt Wachstum, Bewertung und Bilanzrisiken.

Aktienanalyse: Verizon (VZ)Bild: KI-generiert

Verizon verdient sein Geld mit einem schwer ersetzbaren Infrastrukturgeschäft. Die Erlöse sind vergleichsweise planbar, der freie Cashflow reicht für eine hohe Dividende und die Bewertung wirkt moderat. Gleichzeitig wächst der Konzern nur langsam, investiert viel Kapital und trägt eine hohe Verschuldung. Nach der Kurserholung 2026 bezahlt der Markt zudem bereits einen Teil der erhofften operativen Stabilisierung.

1. Schnellüberblick

Verizon ist primär ein Ertrags- und Infrastrukturwert. Die Investmentthese steht und fällt weniger mit starkem Umsatzwachstum als mit Cashflow, Kundenbindung, Netzqualität und dem Umgang mit Schulden.

Für Privatanleger bedeutet das: Die laufende Ausschüttung ist wichtiger als ein schneller Kursanstieg. Der Sicherheitspuffer entsteht aus stabilen Serviceerlösen und belastbarem Cashflow, nicht aus hoher Wachstumsfantasie.

KennzahlWert
NameVerizon Communications Inc.
TickerVZ
WKN868402
ISINUS92343V1044
LandUSA
SektorCommunication Services
IndustrieDiversified Telecommunication Services
Marktkapitalisierungca. 192,2 Mrd. US-Dollar
Dividendenrenditeca. 6,12 %
KGV (TTM)ca. 12,30
KUV (TTM)ca. 1,41

Die Marktdaten stammen vom 30. Juli 2026. Der Aktienkurs lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 46,26 US-Dollar. Die annualisierte Dividende von 2,83 US-Dollar je Aktie entspricht damit einer Rendite von etwa 6,12 %. KGV, KUV und Marktkapitalisierung bleiben Momentaufnahmen.

2. Unternehmensportrait

2.1 Geschichte & Gründung

Verizon Communications entstand am 30. Juni 2000 aus der Fusion von Bell Atlantic und GTE. Die Aktie wird seit dem 3. Juli 2000 unter dem Kürzel VZ an der New York Stock Exchange gehandelt.

Das Unternehmen ist damit kein junger Technologiewert, sondern ein gewachsener Netzbetreiber mit großer Infrastruktur, hohen Fixkosten und langjährigen Kundenbeziehungen. Diese Herkunft erklärt viel von der Aktie. Verizon kann auf stabile Erlöse und enorme Netzreichweite bauen, bewegt sich aber langsamer als kapitalleichte Geschäftsmodelle.

Im Januar 2026 schloss Verizon zudem die Übernahme von Frontier Communications ab. Dadurch stieg die Reichweite des Glasfasernetzes auf fast 30 Millionen sogenannte Fiber Passings in 31 US-Bundesstaaten und Washington, D.C. Die Übernahme soll Mobilfunk und Breitband enger verbinden, erhöht aber zunächst auch Integrations- und Finanzierungsanforderungen.

2.2 Geschäftsmodell

Verizon bietet Mobilfunk, Breitband, Festnetz, Glasfaser, Fixed Wireless Access und Geschäftskundenlösungen an. Hinzu kommen Internet-of-Things-Dienste, Sicherheitslösungen sowie Managed Networks für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Das Geschäft ist in die Segmente Consumer und Business gegliedert. 2025 erzielte Consumer rund 106,8 Mrd. US-Dollar Umsatz und damit etwa 77 % des Konzernumsatzes. Business steuerte rund 29,1 Mrd. US-Dollar, bzw. etwa 21 % bei.

Der wirtschaftliche Kernpunkt bleibt der Mobilfunk. Die Einnahmen aus laufenden Serviceverträgen sorgen für eine relativ hohe Planbarkeit. Gleichzeitig ist das Geschäft kapitalintensiv: Verizon muss regelmäßig in Funknetze, Glasfaser, Frequenzen und technische Infrastruktur investieren. Geräteumsätze schwanken stärker und können durch geringere Upgrade-Aktivität zurückgehen.

Die Stärke des Modells liegt deshalb nicht in schnellem Wachstum, sondern in der Kombination aus wiederkehrenden Erlösen, großer Netzabdeckung und hohen laufenden Cashflows. Die Schwachstelle liegt im Kapitalbedarf. Ein erheblicher Teil des Geldes muss im Unternehmen bleiben, bevor Dividenden und Schuldentilgung möglich werden.

2.3 Branche & Segmente (GICS)

Nach GICS gehört Verizon zum Sektor Communication Services und zur Industrie Diversified Telecommunication Services. Finanzportale führen die Aktie teilweise allgemeiner unter Telecom Services.

Telekommunikation ist eine defensive Branche, aber kein risikoarmes Geschäft. Die Nachfrage nach Mobilfunk und Internet bleibt relativ stabil. Gleichzeitig konkurrieren Verizon, AT&T, T-Mobile, Kabelanbieter und zunehmend auch satellitengestützte Dienste um Kunden und Preise.

Die Branche verbindet daher planbare Erlöse mit hohem Kapitalbedarf, begrenztem Wachstum und beträchtlicher Verschuldung. Verizon muss nicht jedes Jahr zweistellig wachsen. Es muss aber dauerhaft genug Cashflow erzeugen, um Netzausbau, Zinsen, Dividenden und Schuldendienst gleichzeitig zu finanzieren.

3. Historische Kursentwicklung

Die Verizon-Aktie war in den vergangenen Jahren kein klassischer Kursgewinner. Der Schlusskurs lag Ende 2020 bei 41,44 US-Dollar, Ende 2021 bei 38,31 US-Dollar und Ende 2022 nur noch bei 30,64 US-Dollar. Besonders 2022 belasteten steigende Zinsen, hohe Investitionen und die Skepsis gegenüber stark verschuldeten Telekomwerten.

Danach stabilisierte sich der Kurs. Ende 2023 standen 31,47 US-Dollar zu Buche, Ende 2024 waren es 35,60 US-Dollar und Ende 2025 rund 38,78 US-Dollar. Die Kurssteigerungen 2023 bis 2025 waren zwar positiv, blieben aber überschaubar. Die Dividende war für die Gesamtrendite wichtiger als der reine Kursanstieg.

2026 änderte sich das Bild zunächst deutlich. Der Schlusskurs vom 29. Juli lag bei 47,22 US-Dollar. Gegenüber dem Jahresende 2025 entspricht das laut Macrotrends einem Kursanstieg von rund 21,8 %. Nach den starken Zahlen zum zweiten Quartal zog die Aktie dann zusätzlich kräftig an.

Der Markt bewertet Verizon damit nicht mehr nur als trägen Dividendenwert. Die Erwartungen an eine operative Stabilisierung sind gestiegen. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der bereinigte EBITDA um 7,2 % auf 13,7 Mrd. US-Dollar, der freie Cashflow lag bei 6,4 Mrd. US-Dollar und die Prognose für das Gesamtjahr wurde angehoben. Der Konzern meldete allerdings gleichzeitig einen Umsatzrückgang von 0,7 %, weil die Geräteumsätze deutlich sanken.

Die aktuelle Kursphase preist somit einen Teil des Turnarounds bereits ein. Für weitere Kursgewinne muss Verizon zeigen, dass bessere Margen, Breitbandwachstum und sinkende Verschuldung dauerhaft zusammenpassen.

Die Verizon-Aktie

Interaktiver Kursverlauf-Chart für Die Verizon-Aktie (USD).

USD

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4. Fundamentalanalyse

4.1 Ergebnisentwicklung – letzte fünf Geschäftsjahre

Die Ergebnisentwicklung zeigt einen reifen Konzern mit hoher operativer Stabilität, aber wenig Wachstum. Der Umsatz liegt 2025 nur rund 3,4 % über dem Wert von 2021.

Kennzahl20212022202320242025
Umsatz133,61 Mrd. US-Dollar136,84 Mrd. US-Dollar133,97 Mrd. US-Dollar134,79 Mrd. US-Dollar138,19 Mrd. US-Dollar
Umsatzwachstum4,1 %2,4 %-2,1 %0,6 %2,5 %
EBIT32,45 Mrd. US-Dollar30,47 Mrd. US-Dollar28,72 Mrd. US-Dollar28,69 Mrd. US-Dollar29,26 Mrd. US-Dollar
EBIT-Marge24,3 %22,3 %21,4 %21,3 %21,2 %
Nettogewinn22,07 Mrd. US-Dollar21,26 Mrd. US-Dollar11,61 Mrd. US-Dollar17,51 Mrd. US-Dollar17,17 Mrd. US-Dollar
Nettomarge16,5 %15,5 %8,7 %13,0 %12,4 %
EPS verwässert5,29 US-Dollar5,12 US-Dollar2,76 US-Dollar4,15 US-Dollar4,06 US-Dollar
Free Cashflow19,3 Mrd. US-Dollar14,1 Mrd. US-Dollar18,7 Mrd. US-Dollar19,8 Mrd. US-Dollar20,1 Mrd. US-Dollar
Dividendenrendite6,5 %8,5 %8,3 %7,5 %7,0 %

Der Umsatz bewegt sich seit Jahren in einer engen Spanne. 2025 brachte zwar ein Wachstum von 2,5 %, doch der größte Teil davon kam aus dem Consumer-Segment. Das Business-Geschäft schrumpfte um 1,6 %. Für einen Telekomkonzern ist diese Stabilität brauchbar, sie reicht aber nicht für eine klassische Wachstumsbewertung.

Für Privatanleger bedeutet die Tabelle deshalb hauptsächlich eines: Verizon liefert Planbarkeit, aber nur wenig operative Hebel für deutlich steigende Gewinne. Der Ertrag muss überwiegend aus Cashflow und Dividende kommen.

Die operative Marge sank von 24,3 % im Jahr 2021 auf 21,2 % im Jahr 2025. Verizon verdient weiterhin viel Geld, doch das eingesetzte Geschäft arbeitet nicht mehr ganz so profitabel wie zu Beginn des Betrachtungszeitraums. Der Gewinneinbruch 2023 war zusätzlich durch Sondereffekte belastet. 2024 und 2025 normalisierte sich das Ergebnis, ohne an das Niveau von 2021 oder 2022 zurückzukehren.

Der freie Cashflow ist für die Aktie wichtiger als der bilanzielle Nettogewinn. 2022 fiel er wegen der hohen Investitionen auf 14,1 Mrd. US-Dollar. Danach erholte er sich auf 20,1 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025. Verizon zahlte 2025 rund 11,5 Mrd. US-Dollar an Dividenden. Der FCF deckte die Ausschüttung damit etwa 1,75-mal. Das ist eine brauchbare Deckung, aber kein Zeichen für einen völlig entspannten Kapitalhaushalt.

Die importierte DERIVED-Free-Cashflow-Reihe wurde für diese Tabelle nicht verwendet, weil sie sich nicht mit operativem Cashflow minus CapEx abstimmen lässt. Die offiziellen Verizon-Angaben sind für diesen Punkt belastbarer.

Umsatz und Nettogewinn

Datentabelle anzeigen
Umsatz und Nettogewinn
ZeitraumUmsatz (Mrd. USD)Nettogewinn (Mrd. USD)
FY 2019131,8719,27
FY 2020128,2917,80
FY 2021133,6122,07
FY 2022136,8421,26
FY 2023133,9711,61
FY 2024134,7917,51
FY 2025138,1917,17

4.2 Bilanzqualität und Kapitalrenditen – letzte fünf Geschäftsjahre

Die Bilanz von Verizon ist tragfähig, aber schwer. Das Unternehmen besitzt eine große Vermögensbasis und finanziert einen erheblichen Teil davon über Fremdkapital.

Kennzahl20212022202320242025
Gesamtvermögen366,60 Mrd. US-Dollar379,68 Mrd. US-Dollar380,26 Mrd. US-Dollar384,71 Mrd. US-Dollar404,26 Mrd. US-Dollar
Liquide Mittel2,92 Mrd. US-Dollar2,61 Mrd. US-Dollar2,07 Mrd. US-Dollar4,19 Mrd. US-Dollar19,05 Mrd. US-Dollar
Total Current Assets36,73 Mrd. US-Dollar37,86 Mrd. US-Dollar36,81 Mrd. US-Dollar39,37 Mrd. US-Dollar56,92 Mrd. US-Dollar
Langfristige Schulden143,43 Mrd. US-Dollar140,68 Mrd. US-Dollar137,70 Mrd. US-Dollar121,38 Mrd. US-Dollar139,53 Mrd. US-Dollar
Eigenkapital gesamt83,20 Mrd. US-Dollar92,46 Mrd. US-Dollar93,80 Mrd. US-Dollar100,58 Mrd. US-Dollar105,74 Mrd. US-Dollar

Die Vermögensbasis wuchs zwischen 2021 und 2025 um rund 10 %. Das Eigenkapital legte stärker zu und stieg von 83,2 auf 105,7 Mrd. US-Dollar. Positiv fällt der deutliche Anstieg der liquiden Mittel 2025 auf. Die Bilanz bietet damit mehr kurzfristigen Puffer als in den Jahren zuvor.

Praktisch heißt das: Verizon hat mehr Liquidität aufgebaut, bleibt aber wegen des hohen Schuldenstands auf kontinuierliche Mittelzuflüsse und eine funktionierende Refinanzierung angewiesen.

Für 2024 enthält die importierte Bilanz allerdings einen offensichtlichen Fehler: Die Zeile für das Nettoanlagevermögen weist 554,29 Mrd. US-Dollar aus. Dadurch entsteht eine Bilanzsumme von 829,33 Mrd. US-Dollar, während sich aus „Total Liabilities & Equity“ eine konsistente Bilanzsumme von 384,71 Mrd. US-Dollar ergibt. Für die Analyse wurde deshalb die Bilanzidentität verwendet.

Die Verschuldung bleibt der schwierigere Teil der Bilanz. 2025 lagen kurz- und langfristige Schulden zusammen bei rund 158,2 Mrd. US-Dollar. Das entspricht mehr als dem 1,5-Fachen des Eigenkapitals. Die Frontier-Übernahme fällt zudem nicht in die historische Jahrestabelle und erhöht den Blick auf die Finanzierung im Jahr 2026.

Die Kapitalrenditen zeigen, wie stark Verizon auf hohe laufende Cashflows angewiesen ist.

Kennzahl20212022202320242025
ROE (adj.)26,5 %23,0 %6,2 %17,4 %16,2 %
ROA (adj.)6,0 %5,6 %1,5 %4,6 %4,2 %
ROIC9,9 %9,4 %4,9 %5,2 %7,9 %
Current Ratio0,780,750,690,610,91
Net Debt/EBITDA3,043,113,213,002,92

Die Kapitalrenditen haben sich nach dem schwachen Jahr 2023 erholt. Die ROA bleibt mit 4,2 % im Jahr 2025 aber niedrig. Das liegt an der großen Vermögensbasis, die Verizon für Netz, Frequenzen und Infrastruktur benötigt. Die ROE wirkt höher, wird aber teilweise durch den Fremdkapitalhebel getragen.

Die Current Ratio lag in jedem Jahr unter 1,0. Das bedeutet nicht automatisch eine akute Liquiditätskrise, zeigt aber, dass Verizon auf laufende Mittelzuflüsse und funktionierende Refinanzierung angewiesen bleibt. Das Net Debt/EBITDA-Verhältnis bewegt sich nahe 3. Für ein stabiles Telekomgeschäft ist das tragfähig, lässt aber wenig Raum für längere operative Rückschläge.

Im zweiten Quartal 2026 meldete Verizon ein Net Debt zu bereinigtem EBITDA von 2,5. Das Verhältnis hat sich damit verbessert. Die Entschuldung muss aber gegen die Kosten der Frontier-Integration, weitere Netzinvestitionen und die Dividendenpolitik bestehen.

4.3 Dividende und Ausschüttungspolitik – letzte fünf Geschäftsjahre

Verizon erhöht die Dividende regelmäßig, allerdings nur in kleinen Schritten. Das passt zu einem reifen Telekomkonzern mit begrenztem Umsatzwachstum.

Kennzahl20212022202320242025
Dividende je Aktie2,507 US-Dollar2,605 US-Dollar2,618 US-Dollar2,667 US-Dollar2,717 US-Dollar
Ausschüttungsquote47,3 %50,8 %94,9 %64,3 %66,9 %

Die Dividende je Aktie stieg zwischen 2021 und 2025 um rund 8 %. 2023 sprang die Ausschüttungsquote wegen des schwachen Nettogewinns auf fast 95 %. Der freie Cashflow zeichnete damals ein weniger angespanntes Bild, weil die Dividende weiterhin durch operative Mittelzuflüsse gedeckt wurde.

Für 2025 ergibt sich aus rund 20,1 Mrd. US-Dollar FCF und 11,5 Mrd. US-Dollar Dividendenzahlung eine solide, aber nicht üppige Deckung. Die annualisierte Dividende liegt inzwischen bei 2,83 US-Dollar je Aktie. Die Rendite von rund 6 % ist attraktiv, entschädigt aber auch für schwaches Wachstum, hohe Schulden und den Kapitalbedarf des Geschäfts.

5. Bewertungsanalyse

Verizon ist auf Basis klassischer Gewinn- und Umsatzmultiplikatoren moderat bewertet. Die niedrige Bewertung ist allerdings eng mit dem langsamen Wachstum und der hohen Verschuldung verbunden.

KennzahlWert
KGV (TTM)12,30
Forward-KGV9,30
KUV (TTM)1,41
EV/Sales2,76
ROE (aktuell)15,84 %
Dividende je Aktie (letztes abgeschlossenes GJ)2,72 US-Dollar

Das KGV von 12,3 wirkt für einen etablierten Konzern nicht hoch. Das Forward-KGV von 9,3 setzt allerdings voraus, dass sich Gewinne und Cashflows tatsächlich verbessern. Verizon erwartet für 2026 unter anderem ein Wachstum des bereinigten EPS von 6 bis 7 % sowie ein FCF-Wachstum von 9 bis 10 %.

Der Abstand zwischen KUV und EV/Sales zeigt die Bedeutung der Schulden. Auf Basis des Eigenkapitalwerts kostet Verizon rund 1,4-mal den Umsatz. Bezieht man die Nettoverschuldung über den Unternehmenswert ein, steigt das Verhältnis auf etwa 2,8. Die Aktie ist daher nicht nur nach dem Gewinn, sondern auch nach der Finanzierung des Geschäfts zu beurteilen.

Die Kurserholung 2026 hat einen Teil der Turnaround-Erwartung bereits vorweggenommen. Die Dividende und das moderate KGV liefern weiterhin einen gewissen Puffer. Für eine deutliche Neubewertung benötigt Verizon aber mehr als stabile Zahlen: Der Konzern muss Wachstum, Entschuldung und bessere Kapitalrenditen gleichzeitig zeigen.

Für Privatanleger ist die Bewertung damit kein isoliertes KGV-Thema. Für den Bewertungsspielraum zählt, ob der erwartete Cashflow-Zuwachs nach Investitionen, Zinsen und Dividenden tatsächlich zur Entschuldung beiträgt.

6. Chancen und Risiken

6.1 Chancen

  1. Wiederkehrende Mobilfunk- und Breitbanderlöse geben Verizon eine vergleichsweise stabile Cashflow-Basis.
  2. Die Frontier-Übernahme erweitert die Glasfaserreichweite auf fast 30 Millionen Fiber Passings und schafft Cross-Selling-Möglichkeiten zwischen Mobilfunk und Breitband.
  3. Das zweite Quartal 2026 zeigte eine bessere operative Dynamik: Der bereinigte EBITDA stieg um 7,2 %, der FCF um 24,4 %.
  4. Eine weitere Verbesserung des Net Debt/EBITDA-Verhältnisses könnte die Bilanz entlasten und den Spielraum für Ausschüttungen erhöhen.
  5. Die moderate Bewertung und die Dividendenrendite von rund 6 % begrenzen den Erwartungsdruck stärker als bei hoch bewerteten Wachstumsaktien.

6.2 Risiken

  1. Das Umsatzwachstum bleibt niedrig. Im zweiten Quartal 2026 sank der Konzernumsatz trotz besserer Serviceerlöse um 0,7 %, weil die Geräteumsätze deutlich zurückgingen.
  2. Die Verschuldung bleibt hoch. Steigende Zinsen oder schwächere Cashflows würden den finanziellen Spielraum schnell verkleinern.
  3. Telekommunikation ist kapitalintensiv. Netzausbau, Frequenzen, Glasfaser und technische Modernisierung benötigen dauerhaft hohe Investitionen.
  4. Die Frontier-Integration muss zusätzliche Erlöse und Effizienzgewinne bringen, ohne die Bilanz dauerhaft zu belasten.
  5. Der Wettbewerb durch T-Mobile, AT&T, Kabelanbieter und satellitengestützte Netze kann Kundenbindung, Preise und Margen unter Druck setzen.

7. Fazit und Einschätzung

Verizon ist ein robuster, aber schwerfälliger Infrastrukturkonzern. Die Umsätze schwanken vergleichsweise wenig, der freie Cashflow ist hoch und die Dividende wird seit Jahren angehoben. Das Geschäftsmodell liefert damit reale Substanz, aber nur begrenzte Wachstumsdynamik.

Die Bewertung wirkt moderat, doch der niedrige Multiplikator ist nicht grundlos. Verizon trägt viel Fremdkapital, benötigt hohe Investitionen und muss den Frontier-Ausbau erst in dauerhaft höhere Erträge übersetzen. Die aktuelle Kurserholung hat einen Teil dieser Hoffnung bereits eingepreist.

Redaktionell bleibt Verizon damit vor allem ein Cashflow- und Dividendenwert mit möglicher operativer Verbesserung. Für eine überzeugende Neubewertung braucht es nicht bloß stabile Erlöse, sondern sichtbare Fortschritte bei Servicewachstum, Kapitalrenditen und Verschuldung. Die Aktie ist eher eine Wette auf laufenden Ertrag und schrittweise Stabilisierung als auf starkes strukturelles Wachstum.

Häufige Fragen

Was macht Verizon eigentlich genau?

Verizon ist ein US-Telekommunikationskonzern mit Mobilfunk, Breitband, Glasfaser, Fixed Wireless Access und Geschäftskundenlösungen.

Ist Verizon eher eine Wachstums- oder Dividendenaktie?

Verizon ist überwiegend eine Dividenden- und Cashflow-Aktie. Das Umsatzwachstum liegt meist im niedrigen einstelligen Bereich.

Wie hoch ist die aktuelle Dividendenrendite?

Bei einem Aktienkurs von rund 46,26 US-Dollar und einer annualisierten Dividende von 2,83 US-Dollar liegt die Rendite bei etwa 6,12 %.

Was ist die größte Stärke von Verizon?

Die wichtigste Stärke sind wiederkehrende Serviceerlöse aus Mobilfunk und Breitband. Sie schaffen eine relativ stabile Basis für Cashflow und Dividende.

Was ist das größte Problem des Unternehmens?

Verizon wächst nur langsam und trägt gleichzeitig eine hohe Verschuldung. Das macht den Konzern empfindlich für Zinsen, Wettbewerb und schwächere Cashflows.

Ist die Verizon-Aktie günstig bewertet?

Mit einem TTM-KGV von etwa 12,3 und einem Forward-KGV von rund 9,3 wirkt die Aktie moderat bewertet. Die niedrige Bewertung spiegelt aber auch die begrenzte Wachstumsfantasie wider.

Wie belastbar ist die Dividende?

Die Dividende war 2025 durch den freien Cashflow gedeckt. Wegen der hohen Verschuldung und des laufenden Kapitalbedarfs bleibt ihre langfristige Sicherheit jedoch an stabile Cashflows und weitere Bilanzdisziplin gebunden.

Diese Analyse dient ausschließlich redaktionellen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, keine Kaufempfehlung und keine Aufforderung zum Handel mit Wertpapieren dar. Trotz sorgfältiger Aufbereitung kann keine Gewähr für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben übernommen werden. Besonders marktbezogene Kennzahlen wie Marktkapitalisierung, Dividendenrendite, KGV, KUV oder EV/Sales sollten vor einer Veröffentlichung beziehungsweise Investitionsentscheidung noch einmal tagesaktuell verifiziert werden.

Letzte Aktualisierung am 18.08.2026 um 21:23 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Andreas Stegmüller

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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