50 US-Dollar Risiko pro Trade klingen je nach Kontogröße schnell überschaubar – bei einem Tradingkonto mit einer verfügbaren Handelssumme in Höhe von 10.000 US-Dollar entspricht dieser Betrag gerade einmal 0,5 % des Kontos. Doch aus diesen 50 US-Dollar wird nur dann eine sinnvolle Begrenzung, wenn die Positionsgröße zum Abstand des Stop-Loss passt.
Wer eine beliebige Stückzahl kauft und den Stop-Loss erst danach an beliebiger Stelle im Chart platziert, hat das Risiko nicht berechnet und es einfach dem Markt überlassen. Derweil verbindet die Positionsgröße drei wichtige Kennzahlen: Kontostand, maximal akzeptierter Verlust und das Preislevel zwischen Einstieg und Stop-Loss. Je nach Handelsinstrument kann auch der Hebel die notwendige Sicherheitsleistung verändern und damit erheblichen Einfluss auf das tatsächliche Risiko nehmen.
Positionsgröße berechnen bedeutet, Verluste zu begrenzen.
Die Grundformel ist eigentlich ganz einfach und schnell zu beherzigen:
Positionsgröße = maximaler Geldverlust ÷ Risiko pro Einheit
Das Risiko pro Einheit ergibt sich aus dem Preislevel und damit dem Abstand zwischen Einstieg und Stop-Loss. Hier ein Beispiel:
- Kontostand: 10.000 US-Dollar
- maximales Risiko: 0,5 %
- erlaubter Verlust: 50 US-Dollar
- Einstieg: 100 US-Dollar
- Stop-Loss: 98,50 US-Dollar
- Risiko pro Einheit: 1,50 US-Dollar
50 US-Dollar ÷ 1,50 US-Dollar = 33,33 Einheiten
Die Position dürfte unter diesen Annahmen also höchstens 33 Einheiten umfassen. Das rechnerische Kursrisiko läge bei 49,50 US-Dollar.
Das Beispiel lässt Gebühren und Slippage zunächst außen vor. In der Praxis müssen beide Fälle jedoch immer mitberücksichtigt werden. Die Positionsgröße wird deshalb nicht einfach auf die mathematisch höchstmögliche Stückzahl aufgerundet, vielmehr muss ein kleines Polster mit in die Planung, damit die Position schon bei der ersten Kursabweichung noch möglichst den eigenen Risikoparametern entspricht.
Die Reihenfolge dieses Vorgehens sollte somit klar sein: Zuerst wird der maximal akzeptierte Verlust bestimmt, danach das Preislevel für den Stop-Loss festgelegt und erst dann folgt die Berechnung der tatsächlichen Stückzahl.
Der Stop-Loss gehört immer zum Plan
Wichtig dabei: Ein Stop-Loss sollte niemals blind in den Chart oder einfach nur nach einer bestimmten Geld- oder Ticksumme platziert werden. Er sollte immer an einem Punkt liegen, an dem die ursprüngliche Handelsidee nicht mehr gilt und der Trade dann keinen Sinn mehr machen würde. Platziert man seinen Verlustausstieg darüber oder darunter, riskiert man, mehrere Einstiege eingehen zu müssen oder nimmt schlichtweg einen größeren Verlust in Kauf. Wer beispielsweise auf eine Unterstützung setzt, kann den Stop-Loss unterhalb dieser Zone platzieren. Wird die Unterstützung deutlich unterschritten, ist die Annahme einer stabilen Nachfrage widerlegt. Der Stop ist dann technisch korrekt gesetzt.
Das zieht eben ein praktisches Problem nach sich: Ein zu enger Stop-Loss erlaubt rechnerisch eine größere Position, während ein weiter Stop-Loss zu einer kleineren Stückzahl führt und damit theoretisch länger laufen muss, um das Gewinnziel mit einem gesunden CRV zu erreichen. Viele unerfahrene Trader drehen dieses Vorgehen um: Sie wählen zunächst eine große Position und setzen anschließend einen engen Stop, damit der mögliche Verlust scheinbar passt.
Das kann dazu führen, dass bereits normale Kursschwankungen die Position beenden. Ein Stop, der direkt hinter einer zufälligen kleinen Bewegung liegt, schützt nicht vor Fehlern. Er beendet nur häufig den Trade, bevor sich die eigentliche Handelsidee entwickeln konnte.
Ein Hebel macht die Position nicht sicherer
Der Einsatz eines Hebels verändert stets den notwendigen Kapitaleinsatz. Eine Position mit einem größeren Marktwert kann mit weniger Eigenkapital eröffnet werden. Das sollte jedoch niemals als Risikobegrenzung angesehen werden, sondern als eine Verstärkung der Kursbewegung im Verhältnis zum eingesetzten Geld. Bei einem ungehebelten Wertpapier bedeutet ein Kursrückgang von 1 % ungefähr auch 1 % Verlust auf die Position. Bei einem gehebelten Produkt fällt die Veränderung bezogen auf das eingesetzte Kapital deutlich größer aus. Je nach Produkt kommen Finanzierungskosten, Knock-out-Schwellen oder andere Regeln hinzu.
Die Rechnung sollte deshalb immer auf der tatsächlichen Position und dem möglichen Verlust beruhen. Der Blick auf die erforderliche Sicherheitsleistung genügt nicht. Ein weiteres Beispiel:
- Marktwert der Position: 5.000 US-Dollar
- eingesetztes Kapital: 1.000 US-Dollar
- Kursbewegung gegen die Position: 2 %
Der Verlust auf den Marktwert beträgt zunächst 100 US-Dollar. Bezogen auf die 1.000 US-Dollar eingesetztes Kapital sind das bereits 10 %. Je nach Produktstruktur kann der tatsächliche Verlust durch weitere Kosten oder eine schnelle Kursbewegung höher ausfallen. Der Hebel sollte lediglich abklären, wie viel Kapital für eine Position gebunden wird, während die Positionsgröße bestimmt, wie viel Geld bei einer bestimmten Kursbewegung verloren gehen kann. Beides darf nicht vermischt werden!
Slippage verschlechtert alles
Ein Stop-Loss wird häufig wie ein fester Verkaufspreis behandelt. In der Praxis trifft das jedoch nicht zu, gerade wenn die Märkte dünn oder die Bewegungen schnell sind. Dann kann der nächste verfügbare Preis deutlich schlechter liegen, als die Stop-Marke eigentlich vorgesehen hatte. Bei einem Kurs-Gap werden dann Preisbereiche übersprungen, und liegt der Stop in eben einem solchen Bereich, dann kann dieser nicht zum gewünschten Preis ausgeführt werden. Ein Stop bei 98,50 US-Dollar kann dann womöglich erst bei 98 US-Dollar oder noch tiefer ausgeführt werden. Das vorher kalkulierte Risiko wird größer. Bei CFDs muss zudem der Spread beachtet werden, denn je nach Handelsplatz, Uhrzeit und Liquidität können Kauf- und Verkaufskurs deutlich auseinanderliegen.
Damit verändert sich das reale Risiko:
reales Risiko = Kursrisiko + Gebühren + Spread + mögliche Slippage
Mehrere Positionen verstecken das Risiko
Eine einzelne Position kann innerhalb des festgelegten Risikos liegen. Mehrere ähnliche Positionen können das Gesamtrisiko trotzdem stark erhöhen. Wer gleichzeitig mehrere Unternehmen aus derselben Branche handelt, setzt nicht auf unabhängige Chancen. Eine Branchenmeldung kann alle Positionen gleichzeitig bewegen. Gleiches gilt für mehrere Trades auf denselben Index oder dieselbe Währung.
Auch mehrere Positionen mit unterschiedlichen Produkten können wirtschaftlich dieselbe Wette darstellen. Ein gehebelter Index-Trade und mehrere Einzelpositionen aus diesem Index wirken dann vielleicht getrennt, reagieren aber auf denselben Marktfaktor.
Deshalb reicht die Berechnung pro Trade nicht aus. Eine zusätzliche Übersicht ist nötig:
- das Risiko jeder einzelnen Position
- das gesamte offene Risiko
- gemeinsame Branchen- oder Marktrisiken
- mögliche Verluste bei einer starken Gegenbewegung
- die Summe aller Gebühren und Finanzierungskosten
Eine Position mit einem Risiko von 50 US-Dollar bleibt nicht automatisch klein, wenn fünf ähnliche Positionen gleichzeitig eröffnet werden. Aus fünf vermeintlich getrennten Entscheidungen kann ein gemeinsames Risiko von 250 US-Dollar entstehen.
Die 1-%-Regel ist kein Naturgesetz
Im Trading wird häufig empfohlen, höchstens 1 % des Kontos pro Trade zu riskieren. Diese Regel kann als Rechenbeispiel dienen, ist jedoch keine Garantie für den Kapitalerhalt und schon gar nicht eine wissenschaftlich bewiesene optimale Grenze.
Bei einem Konto mit 10.000 US-Dollar entsprechen 1 % Risiko 100 US-Dollar. Zehn Verluste würden bei gleichbleibendem Dollar-Risiko 1.000 US-Dollar bedeuten. Werden die Verluste jeweils vom aktuellen Kontostand berechnet, fällt der Rückgang geringer aus. In beiden Fällen bleibt eine Verlustserie finanziell spürbar.
Ein kleineres Risiko pro Trade verlangsamt den möglichen Verlust, macht eine schlechte Strategie aber noch lange nicht profitabel. Wer langfristig mit einem negativen Erwartungswert handelt, verliert selbst mit 0,25 % Risiko pro Position langfristig – nur eben langsamer.
Was nach einer Verlustserie passiert
Nach mehreren Verlusten entsteht häufig der Wunsch, den Rückgang schnell auszugleichen. Genau dann wird die Positionsgröße oft erhöht. Aus einem festen Risiko wird ein emotionaler Versuch, das Konto wieder auf den alten Stand zu bringen. Die Mathematik und Stochastik arbeiten gegen diese Entscheidung. Ein Verlust von 20 % benötigt einen Gewinn von 25 %, um ausgeglichen zu werden. Ein Verlust von 50 % erfordert eine Verdopplung des verbliebenen Kapitals. Wer nach einem Verlust die Positionsgröße erhöht, vergrößert den Abstand zum ursprünglichen Kontostand. Eine schlechte Handelsphase wird dann nicht nur länger, sondern teurer.
Ein schriftlich festgelegtes Tages- oder Wochenlimit kann verhindern, dass aus einer Verlustserie ein unkontrollierter Rückgang wird. Auch eine Rückkehr ins Demokonto oder eine längere Auswertungspause kann sinnvoll sein, wenn die ursprüngliche Positionsgröße nicht mehr eingehalten wird. End vom Lied: Ein Trading-Tagebuch ist das A und O im Trading!
Letzte Aktualisierung am 21.08.2026 um 09:55 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API




