4 % auf das Tagesgeld: Der hohe Zins gilt oft nur wenige Monate

Tagesgeld mit 4 % klingt stark. Aktuelle Angebote zeigen, warum Laufzeit, Höchstbetrag, Anschlusszins und Einlagensicherung zählen.

4 % auf das Tagesgeld: Der hohe Zins gilt oft nur wenige MonateBild: KI-generiert

Bei einer Verzinsung von 4 % pro Jahr bringen 10.000 Euro in einem Zeitraum von vier Monaten rund 133 Euro Zinsen vor Steuern. Das ist ordentlich für Geld, das jederzeit verfügbar bleibt. Es ist jedoch kein Jahresertrag von 4 %, denn nach dem Aktionszeitraum fällt der Zinssatz häufig deutlich ab. Zudem begrenzt oftmals ein Höchstbetrag die gut verzinste Summe.

Genau das passiert gerade in Deutschland. Die US-Großbank J.P. Morgan Chase lockt zu ihrem deutschen Markteintritt mit 4 % p.a. für die ersten vier Monate. Bei der britischen Neobank Revolut* werden sogar 4,25 % p.a. für vier Monate und bis zu 25.000 Euro versprochen. Selbst klassische Banken zahlen zwischen 3 und 4 % auf Guthaben.

AngebotStand am 22.08.2026Einordnung
Chase4 % p.a. für vier Monate, danach aktuell 2 % variabel; bis 1 Mio. EuroKlassisches Tagesgeld
Revolut*4,25 % p.a. für vier Monate bis 25.000 Euro bei aktiver NutzungNur bei aktiver Nutzung, danach weitaus weniger attraktiv
Sparda-Bank Nürnberg4 % p.a. für sechs Monate auf ein neues Girokonto, bis 50.000 EuroGirokonto-Aktion, kein klassisches Tagesgeld
Bigbank3,25 % p.a. für vier Monate, danach derzeit 2,25 % variabelAktuell kein 4-%-Angebot

Der erste Zinsmonat ist nicht der Anlagezeitraum

Die Angabe „4 % p.a.“ wirkt in der Werbung großzügiger, als sie später beim Kunden ankommt, denn das Kürzel steht für einen auf ein Jahr hochgerechneten Zinssatz. Liegt das Geld nur vier Monate auf dem Konto, wird es auch nur für diesen Zeitraum verzinst. Aus 10.000 Euro werden bei 4 % p.a. deshalb rund 133 Euro brutto. Bei 4,25 % wären es knapp 142 Euro.

Danach wird der Zinssatz teilweise deutlich reduziert: Bei J.P. Morgan Chase gilt dann ein variabler Satz von derzeit 2 % p.a. Wer das Geld also wirklich ein Jahr liegen lässt, erhält nicht automatisch den vollen, versprochenen Zinssatz für zwölf Monate. Ein Teil des Ertrags entsteht nur, weil die Bank neue Kunden in den ersten Monaten mit einem höheren Satz anlockt.

Von den Bruttozinsen gehen außerdem Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag ab, sofern kein ausreichender Freistellungsauftrag oder anderer steuerlicher Freibetrag greift. Bei 133 Euro Zinsen bleiben dann ohne Berücksichtigung eines freien Sparer-Pauschbetrags und ohne Kirchensteuer lediglich 98 Euro übrig. Bei ausländischen Anbietern kann die Abwicklung anders aussehen. Teilweise wird keine deutsche Quellensteuer einbehalten. Die Zinsen müssen in diesem Fall in der Steuererklärung berücksichtigt werden.

J.P. Morgan Chase ist der klare Referenzfall

Bei J.P. Morgan Chase lässt sich die Werbeaussage vergleichsweise einfach prüfen. Die Bank nennt 4 % p.a. für Neukunden in den ersten vier Monaten und einen variablen Zinssatz in Höhe von 2 % nach Ablauf dieser vier Monate. Das Konto hat keine Mindesteinzahlung, der Höchstanlagebetrag liegt bei einer Million Euro. Die Zinsen werden taggenau berechnet und monatlich gutgeschrieben. Für die Eröffnung und Auszahlung sind ein deutscher Wohnsitz, bzw. eine deutsche Steueransässigkeit, eine deutsche Mobilfunknummer und ein deutsches Referenzkonto erforderlich.

Die gesetzliche Einlagensicherung gilt bis 100.000 Euro pro Einleger. Chase weist zusätzlich auf eine freiwillige Absicherung bis 3 Millionen Euro hin. Das Angebot ist damit äußerst transparent, im Gegensatz zu vielen anderen Angeboten, die teilweise in Fußnoten versteckt werden.

Bei Neobanken gibt es noch mehr

Neukunden der britischen Neobank Revolut* können derzeit sogar üppige 4,25 % p.a. für vier Monate einstreichen. Hier sind die Konditionen allerdings komplizierter. So gilt der Angebotszins zunächst nur für 30 Tage. Wird das Girokonto danach nicht aktiv genutzt, sinkt der Zinssatz deutlich und wird abhängig von der jeweiligen Abostufe. Im kostenfreien Standard-Abo gibt es dann nur noch 1,25 % p.a., im 65 Euro teuren Ultra-Abo immerhin noch 2,5 %. Um den Aktivitätsstatus zu erhalten, muss man seine Revolutkarte alle 30 Tage mindestens dreimal nutzen und dabei einen Umsatz von mindestens 5 Euro pro Kauf generieren. Für maximal vier Monate kann man sich so den Aktionszins sichern. Außerdem gilt dieser auf eine Einlage von maximal 25.000 Euro.

Bei der Einlagensicherung hat sich bei Revolut* etwas geändert. Für Tagesgeldkonten, die ab dem 4. August 2026 eröffnet wurden, nennt Revolut eine Verwahrung auf einem Sammeltreuhandkonto bei der Deutschen Bank und eine Absicherung über das deutsche Einlagensicherungssystem in Höhe von bis zu 100.000 Euro. Bei älteren Kunden greift weiterhin die litauische Einlagensicherung, wobei diese für dieses Angebot ohnehin irrelevant ist.

4 % gibt es auch dort, wo Tagesgeld nicht draufsteht

Die Sparda-Bank Nürnberg wirbt aktuell ebenfalls mit 4 % p.a. für sechs Monate auf Guthaben eines neu eröffneten SpardaGiroOnline-Kontos, begrenzt auf 50.000 Euro. Dazu kommt eine Prämie in Höhe von 100 Euro. Der Zinssatz gilt damit auf einem Girokonto und somit nicht auf einem separaten Tagesgeldkonto. Das ist attraktiv, denn ein Girokonto dient dem Zahlungsverkehr und ermöglicht alltägliche Ausgaben und Abbuchungen, während das Geld bei einem Tagesgeldkonto normalerweise nur geparkt wird und somit getrennt werden muss. Auch hier gilt das Angebot nur für Neukunden und ist somit klar ein Lockangebot. Bei Bigbank ist die Lage ebenfalls ein gutes Beispiel für die kurze Halbwertszeit von Lockzinsen. Die aktuelle Produktseite nennt 3,25 % p.a. für vier Monate und danach 2,25 %.

Der Anschlusszins zählt stärker als die Werbezahl

Der EZB-Einlagensatz liegt seit der Entscheidung vom 23. Juli 2026 bei 2,25 %. Ein Tagesgeldzins von 4 % liegt damit deutlich über dem allgemeinen Einlagenzins im Euroraum. Die Differenz spricht eher für eine befristete Kundenakquisition als für einen neuen dauerhaften Marktstandard. Banken können einen Teil ihrer Marge opfern, um Einlagen und neue Geschäftsbeziehungen zu gewinnen. Sie müssen diesen Satz aber nicht dauerhaft zahlen.

Geld, das in drei oder vier Monaten für eine Anschaffung gebraucht wird, profitiert anders von einer Aktion als eine Reserve, die mehrere Jahre liegen bleibt. Bei längeren Zeiträumen frisst ein niedriger Anschlusszins den anfänglichen Bonus schnell wieder auf. Die vorläufige Inflationsrate für Juli lag laut Statistischem Bundesamt bei 2,8 %. Ein Bruttozins von 4 % schützt die Kaufkraft unter diesen Bedingungen nur knapp, sobald Steuern und ein späterer Zinsrückgang berücksichtigt werden.

Tagesgeld bleibt für kurzfristiges Geld sinnvoll

Tagesgeld kann für kurzfristig benötigte Rücklagen seinen Platz haben. Die Produkte sind liquide, schwanken nicht im Kurs und unterliegen bei Banken grundsätzlich der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person und Institut. Eine belastbare Übersicht muss den Zeitraum bis zum Anschlusszins, die verzinste Höchstsumme, Bedingungen für ein Girokonto, Steuerabzug und die konkrete Einlagensicherung nennen. Erst dann kann erkannt werden, ob aus 4 % tatsächlich ein nennenswerter Mehrertrag entsteht oder nur ein kurzer Werbemoment. Wer diese Angaben trennt, erkennt auch schneller, wann ein Angebot bereits ausgelaufen ist.

Letzte Aktualisierung am 22.08.2026 um 09:34 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Andreas Stegmüller

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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