Rendite ist nicht Zins: Nominale und reale Rendite nach Kosten erklärt

6 % Rendite sind nicht automatisch 6 % mehr Kaufkraft. Nominale, reale und Nettorendite nach Inflation, Kosten und Steuern einfach erklärt.

Rendite ist nicht Zins: Nominale und reale Rendite nach Kosten erklärtBild: KI-generiert

6 % Rendite machen aus 10.000 Euro in einem Jahr 10.600 Euro. Was nach einem ordentlichen Gewinn aussieht, entspricht jedoch nur der halben Wahrheit, denn bei einer Inflationsrate von 2 % verliert dieselbe Summe an Kaufkraft. Am Ende kann man nur Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 10.392 Euro des Ausgangsjahres kaufen. Werden dann noch die Kosten für die Anlage von realistischen 50 Euro und in einer vereinfachten Rechnung auch noch die Steuern von ca. 158,25 Euro abgeführt, dann sinkt die reale Kaufkraft sogar auf knapp 10.188 Euro. Wirklich viel ist von der vermeintlich hohen Rendite dann nicht mehr übrig geblieben.

Die Begriffe nominale und reale Rendite beschreiben deshalb nicht dasselbe, denn zur Rendite kommen immer Kosten und Steuern, die in vielen Verkaufsprospekten nicht enthalten sind.

Zins ist eine Zahlung, Rendite die Bilanz

Wer sein Erspartes anderen überlässt, erhält als kleine Entschädigung eine Zinszahlung als Vergütung. Während diese bei einem Sparguthaben regelmäßig als Zinssatz dem Konto gutgeschrieben wird, beschreibt die Rendite das gesamte Ergebnis einer Anlage im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Bei einer breit gestreuten Geldanlage können neben Zinsen auch Kursveränderungen zu einer Rendite führen. Außerdem kommen Ausschüttungen hinzu, Kosten werden abgezogen und der Zeitraum hat Einfluss auf die Berechnung. Ein Zinssatz von 5 % führt nicht automatisch zu einer Rendite von 5 %.

Ein einfaches Beispiel: Auf dem Papier bringen 10.000 Euro bei 5 % Zinsen zunächst 500 Euro Ertrag. Kostet die gesamte Anlage 50 Euro jährlich, was etwa 0,5 % entspricht, bleiben vor Steuern 450 Euro übrig – die tatsächliche Rendite liegt dann bei nur noch 4,5 % und nicht bei den beworbenen 5 %.

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Bei einer Anlage mit schwankendem Wert kann der Unterschied noch größer ausfallen. Ein positiver Zins oder eine Ausschüttung schützen nicht davor, dass ein Kursverlust das Gesamtergebnis ins Minus rutschen lässt. Die Rendite betrachtet deshalb nicht nur den laufenden Geldzufluss, sondern die gesamte Veränderung des Vermögens. Und dazu gehört vordergründig die Betrachtung der Zeit: 10 % Wertzuwachs über fünf Jahre sind keine 10 % pro Jahr und ohne weitere Einzahlungen per automatisiertem Sparplan entspricht das nur einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von rund 1,92 %.

Renditeangaben benötigen daher immer einen klaren Bezug: Zeitraum, Einzahlungen und Entnahmen, Kursveränderungen, Ausschüttungen, Kosten und Steuern müssen klar aufgezeigt werden.

Nominale und reale Rendite messen nicht dasselbe

Die nominale Rendite zeigt, wie stark ein Geldbetrag in Euro gestiegen ist. Die Inflation bleibt dabei außen vor. Aus 10.000 Euro werden bei 6 % nominaler Rendite 10.600 Euro. Der Kontostand ist um 600 Euro gewachsen, die reale Rendite berücksichtigt dagegen zusätzlich die Kaufkraft. Bei einer angenommenen Inflation von 2 % lautet die Rechnung dann:

10.600 Euro ÷ 1,02 = 10.392,16 Euro

In Preisen des Ausgangsjahres besitzt der Endbetrag damit eine Kaufkraft von rund 10.392 Euro. Die reale Rendite liegt nicht mehr bei 6 %, sondern nur noch bei 3,92 %:

Reale Rendite = (1 + nominale Rendite) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1

Die einfache Rechnung „6 % Rendite minus 2 % Inflation“ ist aber auch nur eine brauchbare Näherung, denn bei höheren Raten wird der Unterschied größer. Bei 3 % nominaler Rendite und 5 % Inflation liegt die reale Rendite beispielsweise bei rund −1,90 %. Der Kontostand steigt zwar von 10.000 auf 10.300 Euro, die Kaufkraft sinkt trotzdem auf rund 9.810 Euro und fällt sogar unter das Ausgangsniveau. Die Bundesbank weist darauf hin, dass sich der Realzins bei niedrigen Zinsen und Preisveränderungen näherungsweise als Differenz zwischen Nominalzins und Inflationsrate berechnen lässt.

Die offizielle Inflation kann ohnehin nicht für jeden Haushalt als richtige Kennzahl herangezogen werden, da der Verbraucherpreisindex mit einem gewichteten Warenkorb arbeitet. Wohnen, Energie, Lebensmittel, Mobilität und andere Ausgaben fließen mit unterschiedlichen Anteilen ein. Wer kein Auto besitzt, erlebt steigende Kraftstoffpreise anders als ein Pendler. Wer einen großen Teil des Einkommens für Miete und Lebensmittel ausgibt, spürt Preissteigerungen stärker als ein Haushalt mit niedrigen Fixkosten. Jeder Haushalt hat daher immer seine ganz persönliche Inflationsrate.

Für eine einheitliche Modellrechnung bleibt die amtliche Inflationsrate trotzdem der sinnvollste Maßstab. Die persönliche Teuerung kann später zusätzlich betrachtet werden.

Aus 6 % Bruttorendite werden 1,88 % reale Rendite

Eine Rendite wird zunächst immer nominal angegeben und erst dann real, wenn sie nach Kosten berechnet wird oder sogar mögliche Steuerabzüge enthält. Die Bezeichnung „Nettorendite“ ist deshalb nur brauchbar, wenn klar angegeben wird, welche Abzüge tatsächlich berücksichtigt wurden, denn am Ende können sich große Unterschiede ergeben.

Wer bei diesem Rechenbeispiel nur nominell rechnet, erhält 10.600 Euro. Wer die angenommene Inflation von 2 % herausrechnet, landet bei 10.392,16 Euro. Wer nur 50 Euro Kosten abzieht, senkt seinen nominalen Betrag auf 10.550 Euro und auf den unterstellten steuerpflichtigen Ertrag von 600 Euro können anschließend noch 158,25 Euro Steuer abgezogen werden. Übrig bleiben dann nur 10.391,75 Euro. Erst dieser Betrag wird wieder durch den Preisfaktor 1,02 geteilt, womit die Kaufkraft dann bei nur noch 10.187,99 Euro liegt.

Die Steuerrechnung unterstellt, dass der gesamte Ertrag von 600 Euro steuerpflichtig ist, der Sparer-Pauschbetrag bereits ausgeschöpft wurde und keine Kirchensteuer anfällt. Bei 25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag ergibt sich eine Belastung in Höhe von 158,25 Euro. Die 50 Euro Kosten werden in diesem Beispiel separat abgezogen. Je nach Anlageform, Freistellungsauftrag, Teilfreistellung, Verlustverrechnung und Zeitpunkt der Besteuerung kann die tatsächliche Rechnung anders aussehen.

Je nachdem, welche Lebensumstände berücksichtigt werden, ergeben sich schnell große Unterschiede: Die nominale Bruttorendite beläuft sich auf die besagten 6 %. Vor Kosten und Steuern bleiben real noch 3,92 % übrig und nach den angenommenen 50 Euro Kosten und 158,25 Euro Steueranteil fällt die reale Rendite auf nur rund 1,88 %. Der Kontostand ist zwar um 391,75 Euro gestiegen, die Kaufkraft des Endbetrags aber nur um 187,99 Euro.

Ein halber Prozentpunkt kostet über 30 Jahre 7.595 Euro

Kosten von nur 0,5 % pro Jahr auf das gesamte Anlagevolumen wirken bei 10.000 Euro gerade im ersten Jahr mit etwa 50 Euro überschaubar. Über einen langen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten bis zum tatsächlichen Renteneintritt gerechnet, entsteht daraus schnell eine beträchtliche Summe, die Einfluss auf die tatsächliche Renditeberechnung hat. In einer vereinfachten Rechnung werden abermals 10.000 Euro zu 6 % Zinsen pro Jahr 30 Jahre lang angelegt und mit einer zweiten Variante verglichen, bei der sich die Jahresrendite durch eine Kostenpauschale um 0,5 Prozentpunkte auf 5,5 % reduziert. Einfachheitshalber bleiben auch hier Inflation und Steuern außen vor.

Nach 30 Jahren beläuft sich die Depotsumme im ersten Fall auf starke 57.434,91 Euro. Im zweiten Fall sind nur 49.839,51 Euro, womit die Differenz stolze 7.595,40 Euro beträgt. Schuld daran ist der Zinseszinseffekt, welcher auch immer auf der anderen Seite wirkt. Ein halber Prozentpunkt weniger Rendite führt nach 30 Jahren zu einem deutlich niedrigeren Endwert. Kosten können einmalig, laufend oder abhängig vom Anlagevolumen anfallen. Dazu gehören etwa Kauf- und Verkaufskosten, Verwaltungsentgelte, Depotkosten und weitere Produktkosten. Nicht jede Gebühr wird auf dieselbe Weise berechnet. Die tatsächliche Kostenquote ist daher immer individuell.

Steuern kennen keinen persönlichen Warenkorb

Inflation und Steuer wirken auf unterschiedliche Weise. Die Inflation verändert die Kaufkraft des Geldes, eine Steuer knüpft bei privaten Kapitalanlagen grundsätzlich an den steuerpflichtigen Kapitalertrag an. Bei einem positiven nominalen Gewinn kann deshalb Steuer anfallen, obwohl die reale Rendite deutlich niedriger ausfällt. Ein Teil des scheinbaren Gewinns besteht nur darin, dass die Preise gestiegen sind. Die Steuerrechnung zieht diesen Kaufkraftverlust nicht automatisch ab.

Für die Ermittlung eines Veräußerungsgewinns wird generell die Differenz zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten betrachtet. Eine allgemeine Anpassung der Anschaffungskosten an die persönliche Inflation ist in dieser Grundrechnung nicht vorgesehen. Das erklärt, warum Inflation bei der Geldanlage doppelt belastend wirken kann. Sie mindert zunächst die Kaufkraft des Endbetrags und kann gleichzeitig dazu führen, dass ein höherer nominaler Gewinn ausgewiesen wird, auf den Steuern anfallen.

Auch der Zeitpunkt der Besteuerung ist nicht immer gleich. Zinsen und Ausschüttungen können laufend besteuert werden, während Gewinne nur beim Verkauf steuerpflichtig werden. Außerdem hat der deutsche Fiskus bei bestimmten Fonds eine Vorabpauschale zusätzlich eingeführt.

Letzte Aktualisierung am 19.08.2026 um 16:21 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Andreas Stegmüller

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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