30. November 2022

Day-Trading: Alle Wege können zum Erfolg führen

Wer sich mit Trading das erste Mal intensiver auseinandersetzt, der wird mit zahlreichen Risikohinweisen konfrontiert. Nicht nur, weil der Handel von Finanzderivaten mit einem enormen Risiko verbunden ist, sondern auch, weil die Möglichkeit besteht, Verluste zu erleiden, die gleich der gesamten Investition sind oder diese sogar übersteigen können. Hinzu kommt, dass die meisten Trader verlieren. Die Statistik besagt, dass 95 % der Händler verlieren und nur ein sehr kleiner Teil überhaupt erfolgreich an den Märkten agiert.

Verluste gehören ganz klar zum Tagesgeschäft eines jeden Traders. Vor allem der Weg zum erfolgreichen Börsenhändler ist sehr schmerzhaft und kostspielig. Wir beschäftigen uns schon seit mehr als sechs Jahren mit diesem Thema und haben während dieser Zeit eine echte Achterbahnfahrt erlebt, was unseren Kontostand, vor allem aber unsere Emotionen betrifft. Es gibt einen Grund, weswegen die meisten Daytrader verlieren. Kurzgesagt: Es sind das Durchhaltevermögen, die Disziplin und eine ordentliche Portion Psychologie.

Nur wer hart arbeitet, wird erfolgreich

Der erste große Fehler ist ein fehlendes Risikomanagement. Wer blind und ohne Verstand irgendwelche Positionen eröffnet und diese sogar im Verlust nachkauft oder seine Positionsgröße im Minus einfach erhöht, der fährt früher oder später sein Konto gegen die Wand. Wer hingegen pro Trade stets nur 1 % seines zur Verfügung stehenden Risikokapitals riskiert, dies an Preismarken tut, wo er statistisch gesehen eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit besitzt und nur mit einem hohen Chance-Risiko-Verhältnis tradet, kann möglichst lange im Spiel bleiben. Wer zum Beispiel mit einer Kontogröße von 25.000 US-Dollar einen Trade mit einem Verlustrisiko von 200 US-Dollar ausführt, der ihm potentiell 600 US-Dollar bringt, kann mathematisch gesehen bei einer Trefferquote von 50 % langfristig nur gewinnen.

Die anderen 50 % sind natürlich Verlierer, die es mental auszuhalten gilt. In solchen Drawdown-Phasen darf man nicht emotional werden und muss einfach an seinem Plan festhalten und diesen wie ein Roboter durchführen. Es ist pures Vertrauen, welches man sich nur mit harter Arbeit aneignen kann. Nur wer täglich mehrere Stunden vor den Charts sitzt, seine Trades jeden Tag auswertet und Research betreibt, in dem er am Wochenende seine Strategien in die Vergangenheit zurück testet, wird sich diesen Erfahrungs-Schatz aufbauen können. Diese Erfahrung bringt die notwendige Sicherheit.

Die Strategie ist fast schon egal

Die meisten Trading-Anfänger beschäftigten sich allerdings mit der Suche nach dem heiligen Gral. Sie testen eine Strategie, die für sie wegen zu häufiger Verluste nicht funktioniert und hüpfen einfach zur nächsten, ohne am Ball zu bleiben und diese zu meistern. Derweil kann jede Strategie für jeden funktionieren, wenn man sich diese durch mühevolle Arbeit aneignet – egal, ob Markttechnik, Volumen oder einfach nur nach simplen Chart-Linien.

Es gilt: Je mehr Menschen die gleiche Situation im Chart erkennen, desto mehr wird diese gehandelt und desto besser funktioniert die Idee. Viele Händler agieren im 4-Stunden-Chart, nahezu jeder Trader wirft ein Auge darauf, was an den Tages-Hochs und -Tiefs passiert. Wer hier einen Ausbruch oder einen Rücksetzer handelt, hat gute Chancen, mit einem Gewinn herausgehen zu können. An solchen Punkten handeln einfach alle.

Viele Day-Trader sind in den kleineren Timeframes wie den 15- oder gar 5-Minuten-Chart unterwegs und zeichnen sich dort ihre Support- und Resistance-Linien ein oder Bereiche, die öfter gehalten haben. Hier gilt ebenfalls: Je mehr Händler diese Preisbereiche sehen und dort entsprechend aktiv werden, desto besser funktionieren sie für alle. Die Königsdisziplin ist natürlich der Blick auf das Volumen. Hier kann man mit ein bisschen Übung erkennen, wenn ein großer Spieler eingestiegen ist oder er einen Preisbereich hält, um seine Position zu verteidigen.

Wer sich aus diesem breiten Ideen-Spektrum lediglich eine Sache herauspickt und diese bis zum Erbrechen für sich testet, der wird Meister darin und letztendlich die notwendige Erfahrung sammeln, dass seine Ideen langfristig betrachtet oft aufgehen und man so in der Lage sein wird, regelmäßig Geld aus dem Markt zu ziehen. Der Rest ist eigentlich nur noch Psychologie. Kann ich mit Verlusten umgehen? Wie agieren ich, wenn ich mehrfach Trades hintereinander verloren habe? Hier ist das Buch „Tradingpsychologie“. von Norman Welz eine gute Unterstützung.

Wie wir handeln

Wir setzen bei unserem Futures-Handel auf einen Mix aus Volumen und Markttechnik. Unsere Preisbereiche, an denen wir handeln möchten, suchen wir uns an Leveln aus der Vergangenheit: Wo herrschte viel Liquidität? Auf welchen Preisleveln wurde viel gehandelt, was zu einer Ablehnung oder Akzeptanz führte? Nur in solchen Preisbereichen wollen wir aktiv werden und beobachten dann im kleinen Timeframe die Reaktionen am Markt. Hält das Level oder wird es abgelehnt? Erkennen wir jemanden im Orderbuch, der kontinuierlich nachlegt oder einfach nur erneut dick eingestiegen ist?

Wir warten auf ein Setup und gehen dann in den Markt, sofern wir den notwendigen Platz haben, um den Preis entsprechend laufen zu lassen und um unser notwendiges CRV zu erhalten. Erst wenn alle Parameter passen, gehen wir den Trade. Wir warten geduldig und setzen nur so viel, wie wir gewillt sind, maximal zu verlieren. Um dort hinzukommen, haben wir jedoch abertausende Stunden vor dem Chart und dem Orderbuch gesessen. Ein einfaches Kopieren eines Traders ist nicht möglich. Jeder muss seinen eigenen Stil finden.

Keyfacts

  • Trading ist größtenteils Psychologie
  • je mehr Menschen die gewünschten Preisbereiche sehen, desto besser funktionieren sie
  • die Mathematik lässt sich über Trefferquote und CRV regeln
  • der Umgang mit Verlusten muss trainiert werden
  • nur die Erfahrung in das eigene Tun bringt die Sicherheit, langfristig bestehen zu können
  • jede Strategie, die in der Vergangenheit funktioniert, kann langfristig gemeistert werden
  • wir handeln einen Mix aus Volumen- und Markt-Technik, vor allem aber mit Blick ins Orderbuch
  • wir haben die harte Arbeit des Researches hinter uns gebracht
  • …. und abertausende Stunden vor den Charts verbracht

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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