28. September 2022

Geldentwertung verwandelt die ganze Welt in ein Casino

Dass Inflation gerade für Menschen mit geringem Einkommen keine schöne Sache ist und von Politik und Zentralbanken gerne mal beschönigt wird, das hatten wir in diesem Blog schon mehrfach behandelt. Alleine in den letzten sechs Monaten kletterte die Teuerungsrate auf zuletzt 7,9 % in Deutschland. Die Grundlage der Erhebung entspricht jedoch einem Durchschnittswert eines ganz bestimmten Warenkorbs. Gerade bei den Energiekosten und den Lebensmitteln ging es erheblich steiler nach oben. Teilweise haben sich die Preise in diesen Bereichen mehr als verdoppelt.

Es wird immer schwerer, überhaupt noch Geld für die eigene Altersvorsorge auf die Seite zu packen, oder gar den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine Gehaltsanpassung ist in diesen Tagen daher wichtiger denn je, verstärkt dann allerdings die kalte Progression, was mittelfristig keine Probleme löst. Wer noch das Glück hat, am Monatsende mit einem Überschuss auf dem Konto in die nächste Abrechnungsperiode zu wechseln, der muss sich gut überlegen, was er mit seinem Geld anstellt.

Zuletzt wurde versucht, die Inflation auf einem Niveau von etwa 1,5 bis 2,0 % zu halten, in den 1960er-Jahren gab es auf dem Tagesgeldkonto mehr als 6 % Zinsen. Gegengerechnet konnte man so eine ordentliche Rendite ohne Risiko machen und seine Einlage etwa alle zwölf Jahre verdoppeln. Das Thema Altersvorsorge war daher deutlich einfacher zu bewerkstelligen als es heute der Fall ist.

Wer Rendite will muss ins Risiko

Heute kann man froh sein, wenn man für seine Rücklagen auf der Bank nicht noch Geld für die Aufbewahrung bezahlen muss. Gleichzeitig verliert das Geld dank der stetig wachsenden Inflation kontinuierlich an Kaufkraft. Man muss also nicht nur zusehen, wie man sein Geld für sein Alter vermehren kann, sondern auch noch, wie man es vor Geldentwertung schützen kann.

Das funktioniert leider nicht mehr risikolos wie noch vor 50 Jahren, sondern geht nur noch, wenn man sein Geld einem Risiko aussetzt. Der Gang an die Börse ist zwingende Voraussetzung, wo theoretisch immer ein Totalverlust droht. Risiko bedeutet jedoch immer auch Chance und lässt sich mit einfachen Tricks, die wir in diesem Blog natürlich schon des Öfteren behandelt haben, minimieren. Dazu zählt, dass man stets langfristig agieren sollte und auf ein breit diversifiziertes Portfolio setzen sollte. Wer das beherzigt, kann langfristig Vermögen trotz immer mal wieder auftretender Verluste aufbauen und macht sich später unabhängiger von der staatlichen Grundversorgung durch die Rente.

Aufgrund dieser Entwicklung und des aktuellen Geldsystems werden Sparer quasi gezwungen, ins Risiko zu gehen und versuchen oft ohne Wissen ihr Geld an der Börse zu vermehren. Das verwandelt die gesamte Welt in ein Casino, da nur noch mit großen Risiken überhaupt Geld angespart werden kann. Ein anderer Lösungsansatz wäre ein deflationäres System, wie es beispielsweise der Bitcoin nutzt.

Der Staat profitiert enorm

Der Staat ist im Übrigen einer der größten Profiteure der Inflation. Da seine vor Jahren aufgenommenen Schulden stetig an Wert verloren haben, muss er weniger zurückbezahlen. Obendrein steigen aufgrund der gestiegenen Verbraucherpreise die Einnahmen über die Umsatzsteuer, da diese prozentual vom Warenwert eingezogen wird.

Die rückwirkend eingeführte Senkung der Lohnsteuer, deren Differenz mit dem Juni-Gehalt an alle Arbeitnehmer zurückgezahlt wird, hat der Staat dadurch längst schon wieder eingenommen. Im Schnitt werden Arbeitnehmer etwa 70 Euro mehr ausbezahlt bekommen. Doch wer knapp 400 Euro Mehrausgaben über die ersten sechs Monate des Jahres aufgrund der Inflation hatte, hat diese bereits wieder an den Staat überwiesen.

Keyfacts:

  • früher konnte man dank hoher Zinsen sein Geld risikofrei vermehren
  • heute kann man froh sein, nicht für die Geldaufbewahrung zahlen zu müssen
  • wer Rendite haben will, muss ins Risiko gehen
  • der Staat ist der größte Profiteur der Inflation

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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