3. Dezember 2022

100.000 Euro mit 30 Jahren: Ein magisches Ziel

Für viele sind die ersten 100.000 Euro ein wichtiger Meilenstein auf ihrer Reise zum langfristigen Vermögensaufbau. Während die Zweistelligkeit täglich ignoriert wird und man selbst mit dreistelligen Beträgen im Alltag mühelos hantiert, sind vier oder gar fünfstellige Summen schon deutlich seltener an der Tagesordnung. Immerhin kommt bei den allermeisten Menschen einmal im Monat ein vierstelliges Gehalt auf das Konto. Mit ein paar Jahren Sparerfahrung erreicht man schließlich recht schnell die 10.000er-Marke und macht damit den nächsten großen Schritt. Ein sechs- oder gar siebenstelliges Nettovermögen scheint dagegen kaum greifbar und ist daher für viele ein bedeutendes Ziel.

Doch die Zahl ist nicht nur wegen ihrer vielen Stellen so erstrebenswert, sondern auch weil sie fast schon magische Fähigkeiten besitzt. Ihre Kräfte entfalten sich vor allem dann, wenn ihr Besitzer noch vergleichsweise jung ist. Wer bereits im Alter von 30 Jahren 100.000 Euro im Depot hat, der kann deutlich gelassener in Richtung Rente blicken und wird zumindest finanziell gesehen einen nahezu sorgenfreien Lebensabend verbringen können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann man sogar Millionär werden und damit den nächsten und für die meisten vermutlich auch letzten Schritt in der 10er-Reihe nehmen. Der Schuldige ist wieder einmal mehr der Zinseszins in Verbindung mit dem Faktor Zeit.

Keine Sorge um die Rente, Potential zum Millionär

Wer 100.000 Euro breit diversifiziert angelegt hat, dessen Vermögen wächst bei einer durchschnittlichen Rendite von 7 % um etwa 7.000 Euro jährlich, was für viele schon ein ordentlicher Batzen Geld und ein nettes Zubrot für die Rente ist, schließlich entspricht dies ohne Berücksichtigung von Steuern und Transaktionskosten mehr als 580 Euro im Monat. Eine solch hohe Rendite ist im Übrigen nicht ganz unrealistisch: Ein MSCI-World-ETF rentierte seit 1970 durchschnittlich mit 7,1 % pro Jahr. Da sind so einige Börsenkrisen mit einberechnet.

Über einen Zeitraum von 30 Jahren hinweg wächst das Vermögen so schließlich auf fast 765.000 Euro, was einem Reingewinn von mehr als 660.000 Euro entspricht. Doch wer es tatsächlich geschafft hat, bis zu seinem 30. Lebensjahr so viel Geld auf der hohen Kante zu haben, der wird seine Reise im Vermögensaufbau vermutlich noch weiter gehen und seine Früchte in Form von monatlichen Sparraten weiter nähren wollen. Mit einer Sparrate von gerade einmal 200 Euro im Monat rückt dann sogar das Ziel „Millionär“ in nahe Ferne. Nach 30 Jahren werden aus den 100.000 Euro dann bei gleicher Rendite von 7 % und einer zusätzlichen, monatlichen Sparrate in Höhe von 200 Euro stolze 995.438,48 Euro. Wer einen 400-Euro-Job seinem Depot widmet, erreicht schließlich über 1,2 Millionen Euro.

Je später man das Ziel erreicht, desto schwieriger wird es: Wer erst zehn Jahre später die 100.000-Euro-Marke knackt, der erreicht bis zum selben Alter wie oben nur etwa 386.000 Euro und damit nur knapp die Hälfte des Frühsparers, braucht sich aber natürlich ebenfalls nicht um sein Auskommen im Rentenalter zu sorgen. Die Million rückt dann jedoch selbst mit einer Sparrate von 500 Euro in weite Ferne. Mit einer nur 20-jährigen Sparphase werden aus den 100.00 Euro und einer monatlichen Sparsumme von 500 Euro nur etwa 642.000 Euro. Man muss deutlich höhere Sparraten fahren.

Das ist die Macht des Zinseszinses, die sich bei mehr als 100.000 Euro so richtig bemerkbar macht!

AnfangsbetragMonatliche SparrateInsgesamt investiertes KapitalEndsumme nach 30 Jahren
100.000 Euro100.000 Euro761.225,50 Euro
100.000 Euro300 Euro208.000 Euro1.114.044,96 Euro
300 Euro108.000 Euro352.819,46 Euro

Und in der Praxis?

Ganz wichtig an dieser Stelle sei erwähnt: Es handelt sich hier um theoretische Berechnungen, die äußere Einflüsse wie Steuern und Transaktionsgebühren komplett außen vor lassen. Die Geschichte soll jedoch motivieren und zum Herumspielen mit diesem Gedankenexperiment einladen. Wie sieht das Ganze bei einer konservativeren Berechnung und einer geringeren Rendite aus? Welchen Einfluss haben die Steuern? Ich empfehle hier wieder einmal mehr den Fondsrechner von Zinsen-berechnen.de.

Hatte ich mir dieses Ziel gesteckt? Ja, natürlich! Habe ich es erreicht? Fast. Ich habe allerdings auch erst mit 26 Jahren ernsthaft angefangen, mich um meine Altersvorsorge zu kümmern und weiß, dass ich mich um meine Rente nicht mehr allzu sehr sorgen brauche – vor allem dann nicht, wenn ich so weiter machen werde, wie in den letzten Jahren. Das Ziel der ersten Million ist ebenfalls noch realistisch. Ob ich das verfolgen werde, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich aufgrund des Ziels, mit 30 Jahren sechsstellig zu sein, viel mehr erreicht habe, als wenn ich es mir nicht gesetzt hätte. Ich habe bedeutend mehr Gas gegeben und kontinuierlich an meiner Sparrate geschraubt.

Als Student sind 100.000 Euro unmöglich! Ja, vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Wenn ich mir anschaue, was ich in fünf Jahren des ernsthaften Vermögensaufbaus geschafft habe (und ich bin bei weitem kein Spitzenverdiener), dann muss ich sagen: Es ist machbar. Ich hatte nur fünf Jahre Zeit, andere haben vielleicht zwölf, wenn sie sich gleich mit 18 Jahren dieses Ziel setzen. Man muss nicht sofort in die erste eigene Wohnung ziehen oder hunderte von Euro am Wochenende im Club versaufen und sich jedes Jahr ein neues Top-Smartphone anschaffen. Nachts und am Wochenende lockt die Tankstelle mit einem Minijob. Über ein paar Spartricks und Kniffe hatten wir in diesem Blog bereits schon berichtet. Wer tief in sich geht, wird immer Sparpotential entdecken.

Ja, es wird nicht einfach, danach aber vieles umso mehr! Probiert die Challenge einfach aus, Ihr könnt nur gewinnen!

Keyfacts:

  • 100.000 Euro sind bereits ein ordentlicher Puffer für die Rente
  • ab diesem Betrag gibt es hohe, absolute Zuwächse
  • je früher man anfängt, desto einfacher hat man es
  • wer mit 30 Jahren 100.000 Euro hat, kann Millionär werden
  • es ist ein hartes, aber lohnenswertes Ziel
  • probiert es einfach aus!

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

Alle Beiträge ansehen von Andreas Stegmüller →