27. November 2022

Sparen: Gut-Verdiener haben es nicht unbedingt leichter

Wer gut verdient, hat es beim Thema Sparen nicht unbedingt leichter. Der Grund: Mit jeder Gehaltserhöhung wird der Lebensstandard angepasst – man verfällt der Lifestyle-Inflation. Die ein paar Euro, die jeden Monat zusätzlich auf das Konto fließen, werden oft in eine größere Wohnung, ein schnelleres Auto oder in neue Marken-Kleidung investiert. Der Nachbar soll schließlich sehen, was man hat und dass man Gut-Verdiener ist.

Sicher, Letzteres trifft nicht zwangsläufig auf jeden zu, jedoch macht man im Leben vieles unbewusst, wenn man nicht gerade darauf aus, möglichst unabhängig und frei zu werden. Anstatt kontinuierlich die Sparquote zu erhöhen, wird diese vielleicht nur in absoluten Werten angepasst, jedoch auch regelmäßig die Ausgaben erhöht. So kommt man dem möglichen Ziel der finanziellen Unabhängigkeit nicht schneller entgegen.

Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen.

Zitat aus dem Film Fight Club

Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind

Dieses Zitat trifft unbewusst auf viele Menschen zu. Vor allem beim Auto, dem Deutschen liebstes Kind, wird das deutlich. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes gaben private Haushalte im Jahr 2018 durchschnittlich 233 Euro für den Unterhalt und die Nutzung des PKWs aus. Im Jahr 2018 lag der durchschnittliche Arbeitslohn bei rund 1.900 Euro netto, womit etwa im Schnitt knapp über 12 % der monatlichen Ausgaben alleine auf das Auto entfielen. Aufgesplittet auf unterschiedliche Einkommensstufen zeigt sich, dass bei steigendem Gehalt automatisch auch die Ausgaben für den PKW ansteigen.

Wer 2018 unter 1.100 Euro netto im Monat verdiente, gab durchschnittlich 40 Euro für die Nutzung und den Unterhalt seines Fahrzeuges aus. Das entspricht im besten Fall etwa 3,6 % der Gesamtausgaben. In der Gehaltsklasse von 1.100 bis 1.700 Euro waren es schon 91 Euro und damit mehr als Doppelte. Je nach Gehalt sind das umgelegt etwa 5,4 bis 8,3 % der monatlichen Gesamtausgaben. In der Gehaltsklasse von 1.700 bis 2.600 Euro netto stiegen diese Werte auf 154 Euro, bzw. 5,9 bis 9,1 %.

Wer 2.600 bis 4.000 Euro nach Abzug aller Abgaben verdiente, gab im Bundesdurchschnitt schon 237 Euro für sein Auto aus. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 5,9 bis 9,1 %. Wer vor drei Jahren mehr als 4.000 Euro netto nach Hause brachte, bezahlte im Schnitt 388 Euro für den Unterhalt und die Nutzung seines PKWs. Das ist rund 9,7 Mal so viel wie die unteren Gehaltsklassen ausgeben.

Höherer Lebensstandard verursacht teurere Fixkosten

Insgesamt zeigt sich: Wer mehr verdient, kann absolut gesehen vielleicht mehr sparen, als Menschen mit geringerem Einkommen, hat in der Regel aber auch einen deutlich höheren Lebensstandard und damit mehr Ausgaben. Der Hebel ist ganz klar die Sparquote. Wer es schafft, seine Einnahmen kontinuierlich zu steigern, ohne seine Ausgaben inflationär mit ansteigen zu lassen, der wird es leichter haben, für sein Alter vorzusorgen und kann unter Umständen sogar früher in Rente gehen, als der Durchschnittsdeutsche.

Unser Tipp: Von jeder Gehaltserhöhung und jedem Bonus künftig einfach 50 % zusätzlich im Monat sparen. So kann man seinen Lebensstandard trotzdem etwas erhöhen, wird langfristig gesehen, aber auch seine Sparquote kontinuierlich steigern.

Keyfacts:

  • je mehr man verdient, desto teurer wird das Auto
  • allgemein steigen die Fixkosten durch einen höheren Lebensstandard
  • diese Fixkosten müssen später gedeckt werden
  • dafür sind noch höhere Sparraten notwendig
  • Gut-Verdiener müssen ebenfalls auf Sparquote achten

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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