27. November 2022

Problemlöser Bitcoin: Die Vorteile überwiegen

In den Medien wird der Bitcoin oftmals nur als digitales Geld bezeichnet, dessen enormer Preisanstieg in den letzten Jahren immer wieder mit der Dotcom-Blase oder der Tulpenmanie verglichen wird. Hinzu kommen die ständige Kritik der gewaltigen Energieverschwendung oder das Argument, dass die Kryptowährung keinen intrinsischen Wert hätte. Sicherlich kann man über einige der Negativpunkte streiten, doch in der Gesamtbetrachtung überwiegen für viele die Vorteile. Den Bitcoin zu verstehen, ist nicht einfach und es passiert nicht von heute auf morgen. Doch eine intensive Betrachtung des Themas eröffnet einem viele neue Blickwinkel!

Für einige ist der Bitcoin die erste Kryptowährung überhaupt. Doch schon vor rund 30 Jahren wurden die ersten digitalen Währungen konzipiert, die jedoch mit einigen Kinderkrankheiten mit Blick auf die Sicherheit und deren Nutzbarkeit zu kämpfen hatten. Erst das Konzept von Satoshi Nakamoto ermöglichte den Durchbruch und legte den Grundstein für ein sicheres und limitiertes Digitalgut. Der Bitcoin kann einige Probleme unseres aktuell bestehenden Geldsystems lösen.  

Einfacher Zugang

Was für uns eine Selbstverständlichkeit ist, gilt nicht für alle Regionen dieser Welt. Noch immer haben etwa 38 % der Erwachsenen keinen Zugang zum Banken- und Finanzsystem, was den Alltag erheblich erschwert. Sie können nicht einfach Geld gegen Waren und Dienstleistungen eintauschen, sondern müssen dies mit eigenen Gütern und Leistungen tun. Sie müssen also jemanden finden, der ihr Tauschgut hat und gleichzeitig das nachfragt, was man selbst besitzt. Ein für alle gültiges Tauschmittel gibt es nicht.

Das Bitcoin-Netzwerk funktioniert unabhängig von irgendwelchen Öffnungszeiten weltweit und ist frei für alle zugänglich. Man muss niemanden um Erlaubnis bitten.

Einfaches Zahlungssystem

In erster Linie ist das Bitcoin-Netzwerk ein Zahlungssystem, welches einen einfachen und vor allem sicheren Geldtransfer verspricht. Mit nur wenigen Klicks kann man eine Geld-Transaktion schnell und günstig durchführen. Mittelsmänner wie Banken oder Staaten können solche Transaktionen weder ablehnen noch zusätzliche Gebühren erheben. Letztere sind innerhalb des Netzwerks für alle gleich, eine Ablehnung einer Transaktion erfolgt niemals.

Keine Manipulation, hohe Transparenz

Heutige Geldsysteme wie der Euro oder der US-Dollar als Leitwährung werden ständig von sehr mächtigen Institutionen gesteuert, manipuliert und können gar zensiert werden. Während die Zentralbanken ständig die Geldmenge verändern und damit Einfluss auf die Kaufkraft aller nehmen, können Banken und Staaten unliebsame Nutzer ihrer Systeme einfach aussperren oder einzelne Transaktionen verbieten. So wurde beispielsweise der Iran vom SWIFT-System ausgeschlossen und kann somit im internationalen Handel keinerlei US-Dollar handeln. Einzelne Überweisungen ins Ausland oder in größeren Volumina werden von Banken immer mal wieder abgelehnt und hinterfragt.

Im Bitcoin-Netzwerk gibt es solche Probleme nicht. Kein Nutzer kann ausgeschlossen werden, die Zahl der Coins ist mit maximal knapp 21.000.000 BTC unveränderlich und fest im System hinterlegt. Die Blockchain sorgt für hohe Transparenz, da jede Transaktion dauerhaft für die Nachwelt festgehalten wird und zugleich nicht verändert oder manipuliert werden kann (zumindest nicht ohne einen Angriff).  

Der Bitcoin kann nicht von Regierungen verboten werden. Das wäre vergleichbar damit, das gesamte Internet verbieten zu wollen. Zwar kann der Zugang lokal eingeschränkt werden, dass dies jedoch weltweit passiert, ist äußerst unwahrscheinlich. Wo Länder den Bitcoin als Gefahr ansehen, sehen andere in ihm eine Chance, wie es aktuell in China oder El Salvador passiert.

Sicherer Wertspeicher

Bitcoin kann nicht nur als Tauschmittel und damit als Geld eingesetzt werden, sondern dient gleichzeitig als Wertspeicher, womit er mit seltenen Rohstoffen wie Gold oder Silber in Konkurrenz tritt. Ein guter Wertspeicher ist langlebig, einfach austauschbar, teilbar, selten und zensurresistent. All das trifft auf den Bitcoin zu.

Er ist weder verderblich noch lässt er sich einfach vernichten. Er ist beliebig oft teilbar und kann somit selbst in Kleinstmengen getauscht werden. Seine maximale Anzahl ist auf rund 21 Millionen Exemplare festgeschrieben, was sich nicht mehr verändern lässt. Er ist fälschungssicher und kann nicht einfach dupliziert und vermehrt werden.

Dritte wie beispielsweise Staaten oder Unternehmen können sich dank der Blockchain nicht einfach zum neuen Eigentümer ernennen und somit andere enteignen oder das System zensieren. Es wird immer ein freier Handel von Bitcoin möglich sein. Hinzu kommt, dass es aufgrund der festgeschriebenen Anzahl an Coins keine Inflation zum klassischen Fiat-System gibt. Der Wert nimmt langfristig eher zu als ab.

Bitcoin hat (k)einen intrinsischen Wert

Dass Bitcoin aus Anlegersicht im Gegensatz zu Aktien, wo ganze Firmen mit ihren Anlagen und Maschinen dahinterstehen, keinen Wert hätte, ist eine falsche Annahme. Wert entsteht immer durch Menschen, die einem Gegenstand, einer Dienstleistung oder eben einem virtuellen Gut einen gewissen Wert zuschreiben. Wert ist immer individuell.

Während die einen digitale Güter verteufeln, sind sie für andere von hohem Nutzen und damit von hohem Wert. Bestes Beispiel ist hier digitale Kunst auf NFT-Basis. Während die einen in ihr nur simple PNG-Bilder sehen und niemals mehrere hundert Euro dafür ausgeben würden, bezahlen andere für verrückte Affenbilder viele ETH im Gesamtwert von mehreren hunderttausend US-Dollar. Sie wollen Teil einer exklusiven Community sein.

Nur weil es für einen selbst keinen Wert hat, bedeutet das nicht, dass das gleichzeitig für andere und vor allem die Mehrheit gelten muss!

Hoher Stromverbrauch schafft Sicherheit

Ja, für den Betrieb des Bitcoin-Netzwerks ist ein hoher Energieaufwand notwendig. Doch für den Bitcoin bedeutet das mehr Sicherheit für das System, das inzwischen weltweit eingesetzt und von mehreren Millionen Menschen genutzt wird. Um die Blockchain manipulieren zu können, benötigt man theoretisch die Macht über die Mehrheit der Miner und damit mindestens 51 % der verfügbaren Rechenleistung. Das kostet nicht nur viel Energie, sondern vor allem auch Geld in Form von Hardware und Stromkosten. Selbst finanziell starke Staaten können diesen Aufwand nicht (mehr) stemmen. Je höher die Leistungsaufnahme des Netzwerks, desto schwieriger wird es für einzelne Individuen, das Netzwerk angreifen zu können.

Auf der anderen Seite macht der Bitcoin Banken und sogar Zentralbanken überflüssig, die mit ihrem Zahlungssystem wie SWIFT oder der Infrastruktur von Visa und Mastercard ebenfalls einen hohen Energieaufwand für deren Nutzung benötigen. All diese Systeme würde Bitcoin bei breiter Akzeptanz einsparen können. Und man denke an Gold, dessen Abbau und Transaktionen ebenfalls nicht gerade wenig Energie benötigen!

Übrigens: Im Gegensatz zum Bankensystem gibt es Zahlen zum Strommix des Bitcoin-Netzwerkes. Laut der „3rd Global Cryptoasset Benchmarking Study“ des Cambridge Centre for Alternative Finance an der Universität Cambridge nutzen 76 % der aktiven Miner erneuerbare Energien, wobei vor allem Wasserkraft, aber auch Wind- und Sonnen-Energie eingesetzt werden.

Da viele Miner bei ihrem Strommix jedoch auf unterschiedliche Quellen setzen und somit auch Kohle und Erdgas nutzen, sieht es in der Gesamtbetrachtung nicht ganz so rosig aus: Geschätzt wird, dass etwa 39 % des gesamten Strombedarfs von BTC wirklich grün sind. Die aktuellen Ambitionen zeigen jedoch, dass ein Umdenken stattfindet – vor allem in El Salvador, wo man verstärkt auf Geothermie setzt.

Ein Risiko ist trotzdem vorhanden

Ein Fehler im Protokoll oder die überraschende Neuentwicklung eines Quantencomputers, der die aufwendigen Rechenaufgaben für die Protokollierung des Netzwerks beschleunigen würde, könnte den Glauben an den Bitcoin stark beschädigen. Beides hat sich in den letzten Jahren zwar nicht bestätigt, ist technisch jedoch nicht auszuschließen. Auch wenn die Börsen, die ohnehin stark zentralisiert und somit anfällig für die Regularien und Schließung durch Staaten und Unternehmen sind, zunehmend verschwinden würden, dürfte dies das Bitcoin-Netzwerk beeinträchtigen, weil der Kauf und Verkauf von Bitcoins schwieriger wird.

Die Freiheit des Systems hat jedoch einen gravierenden Nachteil: Wenn die Schlüssel zur eigenen Wallet fehlen oder Transaktionen fälschlicherweise durchgeführt werden, kann einem niemand helfen, die Coins zurückzuholen. Man kann nicht einfach die Bank anrufen und diese bitten, die Transaktion rückgängig zu machen oder neue Zugangsdaten beantragen. Jeder ist selbst für seine Wallet und seine Coins verantwortlich. Man ist seine eigene Bank.

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

Alle Beiträge ansehen von Andreas Stegmüller →