Ein differenzierter Blick auf typische Aussagen zu Bitcoin (Teil 3/3)

Im dritten und letzten Teil unserer kleinen Artikelstrecke zu den weit verbreiteten Mythen und Vorurteilen gegenüber Bitcoin werfen wir noch einmal vier neue Aspekte in den Raum und versuchen zu erklären, warum auch sie nicht für den Bitcoin gelten oder sogar gut für das Netzwerk sind. Wir hoffen dadurch, bei unseren Lesern eine bessere Sicht auf den Bitcoin gegeben zu haben.

Bitcoin hat keinen intrinsischen Wert

Dass Bitcoin aus Anlegersicht im Gegensatz zu Aktien, bei denen ganze Firmen mit Anlagevermögen, Kapital und Patenten samt Know-How und Wissen dahinterstehen, keinen Wert hätte, ist eine falsche Annahme. Wert entsteht immer durch Menschen, die einem Gegenstand, einer Dienstleistung oder eben einem virtuellen Gut einen solchen zuschreiben. Wert ist immer individuell.

Während die einen digitale Güter verteufeln, sind sie für andere von hohem Nutzen und damit von hohem Wert. Bestes Beispiel ist digitale Kunst auf NFT-Basis. Der eine mag darin nur simple PNG-Bilder sehen und würde niemals mehrere hundert Euro dafür ausgeben, bezahlt der andere für verrückte Affenbilder etliche ETH im Gesamtwert von mehreren hunderttausend US-Dollar. Sie wollen Teil einer exklusiven Community sein oder einfach nur aus Gier am Hype partizipieren. Nur weil es für einen selbst keinen Wert hat, bedeutet das nicht, dass dies gleichzeitig für andere und vor allem die Mehrheit gelten muss!

Und noch etwas: Wie sieht es denn bei klassischen Zentralbankwährungen mit dem inneren Wert aus? Sind sie nicht auch nur irgendwelche bedruckte Papierschnipsel oder eine Zahl auf dem Konto? Bei Fiat-Währungen wird darauf gesetzt, dass ihre Nutzer darauf vertrauen und dem Geld einen gewissen Wert zuschreiben, den sie dann gegen Waren oder Dienstleistungen eintauschen können. Seit Ende des Goldstandards steht jedenfalls absolut keine Deckung mehr dahinter.

Doch auch hier bietet Bitcoin eine wesentliche Verbesserung: Die Geldmenge kann nicht ausgeweitet werden, womit sich dann die Inflation beeinflussen lässt, wodurch jeder Teilnehmer mehr seiner wertvollen Lebenszeit aufopfern muss, um seine Kaufkraft zu erhalten oder sich mit den Themen Investments beschäftigen muss. Es gibt keine zentrale Stelle. Bitcoin ist in sich letztendlich wertstabiler, auch wenn die Wechselkurse deutlich schwanken.

Bitcoin hat eine zu hohe Schwankung

Volatilität mag eine Form von Risiko sein – egal, ob man jetzt Aktien, Fonds oder Währungen betrachtet. Bei Bitcoin waren diese Schwankungen bislang besonders hoch und konnten binnen weniger Minuten fünfstellige Beträge ausmachen. Im Alltag kann das bedeuten, dass wenn jemand Bitcoin im Wert von 100 US-Dollar versendet, dieser Gegenwert so beim Empfänger nicht ankommt, bis die Transaktion bestätigt und der BTC eingetauscht wurde. Dieses Problem wird sich in den nächsten Jahren von selbst lösen, wenn die Adaption weiter steigt. In sich betrachtet bleibt jedoch ein Bitcoin immer ein Bitcoin. Verglichen mit anderen Rohstoffen ist die Marktkapitalisierung noch recht gering, die Marktbreite sehr dünn. Damit können bereits kleine Änderungen von Angebot und Nachfrage zu substanziellen Kursausschlägen führen.

Wer sich heute bereits absichern möchte, verwendet für dieses Problem einfach das Lightning-Netzwerk und kann seine Sats somit in Sekundenschnelle versenden und das sogar zu erheblich günstigeren Transaktionskosten. Die Statistik zeigt außerdem immer höhere Hochs und höhere Tiefs im Kurs. Wer Bitcoin mindestens vier Jahre hält, regelmäßig zukauft, bekommt auch hier langfristig den Durchschnittspreis und hat große Chancen, am Ende mit einem Plus herauszugehen. Langfristiges Denken wird sich immer auszahlen.

Bitcoin kann verboten werden

Das ist eigentlich unmöglich. Wer wie wir in einer freien Demokratie mit jeglichem Zugang zu Wissen von der Existenz des Bitcoins erfahren und verstanden hat, wie die Technologie funktioniert, der wird immer wissen, was er tun muss, um sie bei einem etwaigen Verbot dennoch nutzen zu können. Theoretisch bedarf es nur eines Internetzugangs, einer Fullnode, eines Miners und vielleicht einer Hardware-Wallet. Schon betreibt man alle notwendigen Geräte, um den Code von Bitcoin ausführen zu können. Die Fullnode kann im Tor-Netzwerk versteckt werden, der Zugang kann ebenfalls darüber erfolgen und schon bekommt niemand mehr mit, dass man eigentlich Bitcoin benutzt.

Tatsächlich muss man, um Bitcoin zu zerstören, all diese Knotenpunkte und Miner vom Netz nehmen. Aufgrund der Dezentralität des Netzwerkes und der damit weltweit verteilten Hardware, kommt dies einem Abschalten des Internets gleich. Wir sind immer in der Lage, das Netzwerk erneut aufzubauen und fortzuführen.

Anders sieht das natürlich aus, wenn man nicht das Glück hatte, in einer freiheitlichen Demokratie mit mündigen Bürgern aufgewachsen zu sein. Dann versuchen mächtige Entitäten in Form der Regierung, die eigenen Bürger klein und dumm zu halten. Sie müssen erst einmal von der Existenz des Bitcoins erfahren und wissen, wie sie sich dieses Wissen zugänglich machen können. Wer Bitcoin nicht kennt, wird ihn wohl niemals nutzen.

Bitcoin ist dezentral über die gesamte Welt verteilt

Aber selbst wenn Deutschland oder die EU ein Bitcoin-Verbot durchbringen würden, würde das Netzwerk nicht sterben. China hatte vor wenigen Jahren ein Mining-Verbot ausgesprochen und war bis dahin der größte Lieferant von Hashrate. Die Rechenleistung innerhalb des Netzwerks brach nach dem Verbot erheblich ein, erreicht inzwischen wieder ein Allzeithoch nach dem anderen. Die Miner haben sich einfach anderswo niedergelassen.

Bei den sogenannten Blocksize-Wars* versuchten ein paar größere Unternehmen, die Blockgröße des Bitcoin zu verändern, um das Netzwerk schneller zu machen. Man hatte sogar einen Großteil der Miner auf seiner Seite. Jedoch entschieden sich die Fullnode-Betreiber und die Nutzer dagegen. Es spaltete sich ein zweites Netzwerk auf, welches heute als Bitcoin Cash agiert, jedoch für den Markt völlig unerheblich wurde und keine Rolle spielt.

Ein Netzwerk ist wertlos, wenn es nicht genutzt wird. Bitcoin ist dezentral über die gesamte Welt verteilt. Keine einzelne Entität kann ihm dauerhaft schaden oder das Netzwerk zerstören.

Ein Quantencomputer kann Bitcoin zerstören

Auch das ist äußerst unwahrscheinlich. Selbst in absehbarer Zeit werden die Verschlüsselungsverfahren des Bitcoin-Netzwerkes nicht gebrochen werden können und wenn sich eine Tendenz abzeichnet, dann wird die Bitcoin-Community durch einen gemeinsamen Beschluss vermutlich auf ein neues, modernes und noch sicheres Verfahren umschwenken. Für die Miner bleibt die Schwierigkeit der Rechenaufgaben dynamisch, sodass im Schnitt alle zehn Minuten ein neuer Block gefunden wird. Steigt die Rechenleistung an und damit die Wahrscheinlichkeit, dass Blöcke schneller gefunden werden, erhöht sich in regelmäßigen Abständen die Schwierigkeit. Quantencomputer sind also kein echtes Problem für den Bitcoin.

Abschließende Worte

Abschließend bleibt bei all diesen Ausführungen zu sagen: „DYOR – Do your own Research“ oder „Don’t trust, verify“. Egal welche Argumente man überzeugender findet oder welche Teilbereiche, in die Bitcoin vordringen kann, man für wichtiger hält: Jeder sollte sich stets seine eigene Meinung aus verschiedenen Informationsquellen bilden und sich selbst ein Bild davon machen, ob man etwas sinnvoll und wertvoll erachtet. Niemand weiß, was die Zukunft bringen wird!

Bisherige Artikel:

Bitcoin für Einsteiger*
  • Bühler, Marco (Autor)

Letzte Aktualisierung am 23.04.2024 um 09:47 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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