27. November 2022

Für den Crash braucht es einen Plan

Auch wenn die Börse langfristig gesehen nur die Richtung nach oben kannte, so ist sie dennoch keine Einbahnstraße. Regelmäßig kommt es zu starken Abverkäufen oder gar kleineren bis größeren Crashes, wie zuletzt im Februar zur Corona-Pandemie als nahezu die komplette Welt in den Lockdown ging. Damals sackte der DAX von seinen einstigen Höchstständen bei knapp 13.800 Punkten auf einen zwischenzeitlichen Tiefstand von 8.442 Punkten ab und verlor damit fast 40 % seines Wertes. Wer als Anleger hier keinen vorgefertigten Plan hat, läuft Gefahr, sich von der Panik des Marktes anstecken zu lassen und vielleicht emotional im Verlust zu verkaufen.

Dass es irgendwann einmal zu einem Crash kommen könnte, das war mir natürlich bereits bewusst, als ich meine ersten Aktien kaufte. Anfangs machte ich mir darüber kaum Gedanken, schließlich steckten im Depot zu Beginn nur wenige hundert Euro. Im Laufe der Zeit wuchs der Wert über die monatlichen Sparraten jedoch stärker an und ich stellte mir vor, wie ich mich fühlen würde, wenn 50 % davon auf einmal fehlen würden. Mir wurde klar, dass ich dafür einen Notfallplan brauchen würde.

Ich begann damit neben den monatlichen Sparplänen zusätzliche Cashbestände aufzubauen, um im Falle eines stärkeren Rücksetzers zusätzliches Geld für Nachkäufe parat zu haben. Ein kompletter Verkauf kam und kommt für mich schließlich nicht in Frage, denn bis zu meiner eigentliche Rente habe ich noch über 30 Jahre lang Zeit. Zeit, in der sich der Markt nach einem Crash locker wieder erholen wird können und Zeit, während der es mit Sicherheit noch einmal einen solchen geben wird.

10 % Rückgang bedeutet 1.000 Euro Extra-Investment

Um nicht schon beim ersten Rücksetzer den gesamten Cashbestand für die Nachkäufe los zu sein, nahm ich mir vor, für jeden Rücksetzer, der binnen weniger Tage 10 % verlieren würde, für 1.000 Euro nachzukaufen. Im Corona-Crash waren das für mich also drei Nachkäufe, zu einem vierten kam es ganz knapp nicht. Während ich mich bei den ersten 1.000 Euro freute, günstig Aktien eingesackt zu haben, musste ich schon direkt nach der Ausführung der zweiten Order zusehen, wie auch diese 1.000 Euro immer weniger wurden. Die nächsten 1.000 Euro konnte ich noch guten Gewissens investieren.

Als dann jedoch auch diese 1.000 Euro stetig weniger wurden, kam mein Kopf ins Grübeln. Ich machte mir Gedanken, wie ich mich fühlen würde, wenn auch die nächsten 1.000 Euro stetig weniger würden. Da ich mir diesen Notfallplan vorher aber zurechtgerückt hatte, galt für mich nur dessen stupide Ausübung und so steckte ich die nächsten 1.000 Euro in mein Depot. Bei -36 % war schließlich der Höchststand erreicht. Die Bodenbildung mit anschließender, fast V-förmiger Erholung trat ein. Die zusätzlich investierten 3.000 Euro haben sich heute richtig bezahlt gemacht – inzwischen hat das Depot neue Höchststände erklommen.

Doch damit nicht genug: Ich erhöhte zusätzlich meine monatliche Sparrate, die ich bis heute regelmäßig einzahle. Ich habe also nicht nur zusätzliche Einmalkäufe getätigt, sondern diese durch eine höhere Sparrate ergänzt. Warum? Zur Corona-Zeit war das soziale Leben teilweise massiv eingeschränkt. Man hatte quasi fast keine Möglichkeit, überhaupt Geld auszugeben. Die regelmäßigen Bar- und Restaurant-Besuche konnten schlichtweg nicht stattfinden. Das hat sich natürlich ebenfalls bezahlt gemacht.

Aktuell versuche ich, diese monatliche Sparrate beizubehalten. Ich weiß allerdings, dass ich diese spätestens im nächsten Jahr wieder zurückfahren muss. Die aufgebrauchten Cashbestände für den nächsten potentiellen Crahs mit seinen 10-%-Rückgängen müssen wieder aufgestockt werden.

Emotionslos wie ein Roboter

Ein Plan für den Crash zu haben, den man einfach stumpf wie ein Roboter umsetzt, ist goldwert. Er verhindert, dass Anleger im Crash emotional handeln und ihre Verluste realisieren, ohne günstig einzukaufen.

Keyfacts

  • wer einen Plan für den Crash hat, ist vorbereitet
  • die Vorbereitung hilft, rational zu bleiben
  • ohne Emotionen behält man leichter die Nerven
  • Nachkäufe sind der eigentliche Rendite-Boost eines jeden Depots

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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