3. Dezember 2022

Das wird für den Futures-Handel benötigt

Neben der langfristigen Geldanlage zur Altersvorsorge beschäftigen wir uns viel mit dem kurzfristigen Handel. Das Ziel: Die monatlichen Gewinne aus dem Futures-Trading sollen zusätzlich ins Depot gesteckt werden, um die finanziellen Ziele noch schneller erreichen zu können. Nachdem wir das Derivat in seinen Grundzügen bereits vorgestellt hatten, wollen wir uns heute den notwendigen Voraussetzungen widmen. Es ist nämlich nicht damit getan, einfach über sein Depot eine Order in Auftrag zu geben.

Die Software

Wer an den Futures-Märkten aktiv sein möchte, der muss einige Vorkehrungen treffen, die teilweise viel Geld kosten. Das beginnt schon bei der Software, die die Daten der Börse verarbeitet, um die Analyse und die Ausführung übersichtlicher für den Trader zu machen. Für unseren Handel benutzen wir hierfür Sierra Chart, eine Trading-Software, die derzeit ausschließlich für Windows-Systeme erhältlich ist. Sie ist zwar ressourcenschonend programmiert, vom Feature-Umfang jedoch äußerst mächtig.

Sie erlaubt nicht nur die Darstellung eines Orderbuchs oder eines klassischen Kerzencharts, sondern erledigt außerdem wichtige Berechnungen wie das Handelsvolumen, die Delta-Entwicklung, zeigt die Limit-Orders im Markt oder protokolliert die Market-Orders aus dem Bid und Ask im Footprint. Außerdem werden das Market- und Volume-Profile unterstützt, genau wie viele Indikatoren, die wir jedoch nicht nutzen. Wir setzen auf einen möglichst sauberen Chart, in dem wir lediglich unsere Zonen und Preismarken selbst einzeichnen. Die Verwendung von Sierra Chart bedarf einiges an Einarbeitung, wofür es auf der Webseite einige Support-Dokumente gibt.

Sierra Chart gibt es lediglich im Abo, für das je nach notwendigem Funktionsumfang zwischen 26 und 56 US-Dollar im Monat bezahlt werden müssen. Eine Alternative, die vom Handling her deutlich einfacher, dafür nicht ganz so umfangreich ist, ist ATAS. Hier bezahlt man mindestens 69 Euro im Monat, hat aber auch die Möglichkeit, eine Lifetime-Lizenz für knapp 1.800 Euro zu erwerben.

Der Datenfeed

Damit die Software ihre Berechnungen durchführen und die grafische Darstellung erledigen kann, muss sie mit Daten bestückt werden. Eine direkte Anbindung an die Futures-Börsen ist zwingende Voraussetzung. Wir verwenden den Denali-Feed, welcher monatlich 10 US-Dollar kostet, je nach Abonnement von Sierra Chart teilweise sogar schon inkludiert ist. Außerdem muss noch eine Exchange-Fee bezahlt werden. Wir handeln hauptsächlich den Rohöl-Future, den S&P 500 als Aktienindex und den Gold-Future sowie vereinzelt den Kupfer-Markt. Diese Futures werden überwiegend an der CME und COMEX in den USA gehandelt, deren Anbindung weitere (jeweils) 10,40 US-Dollar für private Händler kostet. Wer an der deutschen EUREX den DAX oder den Bund-Future handeln möchte, muss weitere 25 Euro im Monat dafür berappen.

Der Datenfeed und vor allem die Software sind die teuersten Hürden im Futures-Handel.

Der Broker

Eine Futures-Order kann man nicht einfach über seine Hausbank aufgeben. Hierfür bedarf es eines speziellen Brokers. Ich nutze hierfür AMP Futures aus den USA, weil dieser einer der günstigsten Futures-Broker weltweit ist und obendrein sehr geringe Margin-Anforderungen hat. Hier bezahlt man im ES (S&P 500) für die Eröffnung einer 1-Lot-Position 1,75 US-Dollar, für die Schließung weitere 1,75 US-Dollar und damit Roundturn 3,50 US-Dollar. Wer den Trade zu Haupthandelszeiten öffnet und schließt, muss eine Sicherheitsleistung in Höhe von 400 US-Dollar pro Lot hinterlegen, wobei diese je nach Volatilität vom Broker jeder Zeit erhöht werden kann.

Für den Cruide Oil (CL) müssen mindestens 1.000 US-Dollar an Margin hinterlegt werden, die Roundturn-Gebühr pro Lot beträgt 4,06 US-Dollar, bzw. 2,03 US-Dollar je Seite. Damit sollte man über eine Kontogröße von mindestens 5.000 US-Dollar verfügen. Wer größere Positionen handeln oder mehrere Trades gleichzeitig laufen lassen möchte, der benötigt mehr Kapital. Gleiches gilt, wenn man seine Positionen über Nacht halten möchte, denn dann stellt AMP Futures ganz andere Margin-Anforderungen an den Trader.

Der Kontrakt

Um einen Future zu handeln, bedarf es natürlich eines Marktes und damit eines Kontrakts. Dieser sollte immer an die Kontogröße angepasst werden, denn nicht jeder Future lässt sich mit Blick auf die Margin-Anforderungen oder die Ticksize mit jedem Konto handeln. Der ES-Future und damit der S&P 500 bewegt sich in Punkten, wobei sich jeder Punkt aus vier Ticks zusammensetzt. Da sich der Tickwert auf 12,50 US-Dollar beläuft, bedeutet dies, dass die kleinste Preisbewegung einen Verlust oder Gewinn von 12,50 US-Dollar für uns bedeutet.

Je nach Marktphase und Level kann es schon mal passieren, dass wir einen Stop-Loss von zehn bis zwölf Ticks benötigen, um überhaupt das Risiko eingehen zu können. Wir müssen daher für ein Lot einen Verlust von 150 US-Dollar ein Kauf nehmen, was im Verhältnis zur Kontogröße genommen werden sollte. Man sagt, dass man pro Trade niemals mehr als 1 % seines Kapitals riskieren sollte. Das würde in diesem Fall eine Kontogröße von 15.000 US-Dollar nach sich ziehen.

Seit wenigen Monaten gibt es aber auch die Micro-Futures, die in Konkurrenz zu den CFDs auf den Markt kamen. Hier beläuft sich der Tickwert auf lediglich ein Zehntel und damit auf 1,25 US-Dollar im S&P. Gewinn und Verlust fallen damit deutlich kleiner aus, erfordern aber auch ein deutlich kleineres Konto. 64 US-Cent werden pro Lot und Roundturn bei AMP Futures fällig, die Margin beläuft sich meist auf nur 40 US-Dollar. Damit eignen sich die Micro-Futures vor allem für Einsteiger und all diejenigen, die nicht viel Kapital riskieren wollen.

Die Kontrakt-Spezifikationen eines jeden Futures finden sich direkt bei AMP Futures.

Keyfacts:

  • Software wie Sierra Chart oder ATAS wird zwingend benötigt
  • Datenfeed direkt von der Börse muss abonniert werden
  • Exchange-Fees fallen je nach Futures-Börse zusätzlich an
  • man braucht einen spezielles Futures-Broker
  • je nach Ticksize und Stop wird eine entsprechende Kontogröße verausgesetzt

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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