27. Juni 2022

Trading ohne Eigenkapital ist möglich

Über die Voraussetzungen im Future-Handel hatten wir in diesem Blog bereits ausführlich berichtet. Für die meisten Händler das größte Hindernis dürfte sicherlich die Frage der Kapitalisierung sein. Denn wer im ES-Future und damit dem regulären S&P 500 handeln möchte, der benötigt nicht nur teure Software, sondern muss auch mit einem Tickwert von 12,50 US-Dollar rechnen. Hinzu kommt eine Margin-Anforderung von mindestens 400 US-Dollar im Day-Trading oder mehreren tausend US-Dollar für den Übernacht-Handel.

Wer nur 20 Ticks bis zu seinem Stop riskieren möchte, muss dafür schon 250 US-Dollar zur Verfügung haben und weitere 400 US-Dollar als Sicherheitsleistung hinterlegen. Geht man dann noch davon aus, niemals mehr als 1 % seines Kapitals zu riskieren, würde man eine Kontogröße von mindestens 25.000 US-Dollar benötigen.

Inzwischen werden daher Micro-Futures angeboten, die in Konkurrenz zu den CFDs auf den Markt gebracht wurden und mit deutlich kleineren Tickwerten sowie Margin-Anforderungen auskommen. Beim MES, dem kleinen Bruder des ES-Futures, beläuft sich die kleinste Preisbewegung auf nur noch ein Zehntel. Pro Lot und Tick werden nur noch 1,25 US-Dollar bewegt, die Sicherheitsleistung beläuft sich je nach Broker nur noch auf etwa 40 US-Dollar im Tageshandel. Bei einem 20-Tick-Stop entspricht das einem Risiko von nur noch 25 US-Dollar, die benötigte Kontogröße läge bei nur noch etwa 2.500 US-Dollar, wenn man sich auch hier an die 1-%-Regel halten möchte.

Liquidität über Fremdkapital-Anbieter

Doch es gibt im Future-Handel auch eine Möglichkeit, ohne jegliches Eigenkapital und damit sogar fast risikofrei die großen Future-Kontrakte handeln zu können: Über Fremdkapital-Konten. Dabei stellen Anbieter wie OneUp Trader, Leeloo Trading oder TopStep ihren Tradern Kapital zur Verfügung, mit dem sie handeln dürfen.

Die Gewinne werden dann in der Regel nach dem 80/20-Prinzip aufgeteilt. 20 % der Profite bekommt der Kapitalgeber und 80 % der Trader. Verluste werden vollständig vom Kapitalgeber getragen. Um an ein solches Konto zu kommen, muss man dem Fremdkapital-Anbieter zunächst beweisen, dass man Traden kann und sein Risiko sowie seine Emotionen im Griff hat. Meist muss man hierfür einen Monat lang ein Demokonto unter dessen Aufsicht handeln und sich an zahlreiche Regeln halten. Je nach Anbieter darf beispielsweise keine Position über Nacht gehalten werden, nicht zu News-Zeiten gehandelt und natürlich nicht der maximale Drawdown erreicht werden. Teilweise muss sogar ein Scaling-Plan eingehalten werden. Dadurch sichern sich die Fremdkapitalgeber selbst ab.

Evaluierungsphase als Prüfung

Für die Evaluierungsphase muss man einen Monats-Beitrag leisten, der sich je nach Kontogrößer, der maximalen Positionsgröße und den erlaubten Handelsinstrumenten richtet. Bei Leeloo bezahlt man für 30 Tage und ein 100.000 US-Dollar großes Konto mit einem sich automatisch nachziehenden Trailing-Drawdown von 3.000 US-Dollar mit einer Maximal-Size von 12 Lot 220 US-Dollar für diesen Monat. Nach einem Regelbruch kann entweder ein neues Konto zum gleichen Preis beantragt werden oder man kann es für eine Gebühr von etwa 85 US-Dollar zurücksetzen.

Der Handel mit Fremdkapital hat einen weiteren Vorteil: Da die späteren Gewinnauszahlungen als Provisionen verbucht werden und man dafür ein Gewerbe angemeldet haben muss, kann man so der Verlustverrechnung von 20.000 Euro im Jahr entgehen und somit einem der größten Steuerirrsinn.

Es ist nicht einfach

Die Praxis zeigt jedoch: Ganz so leicht ist es am Ende auch wieder nicht. Für die Fremdkapital-Anbieter ist es eine Win-Win-Situation. Entweder sie finden fähige Trader, die ihnen regelmäßige Gewinne bescheren, oder sie verdienen an deren Scheitern und ihren ständigen Neuversuchen über die Monats- und Reset-Gebühr mit. Das Risiko hält sich für sie mit Blick auf die teils sehr strengen Regeln in Grenzen. Zudem sorgen automatische Überwachungs-Algorithmen für einen vorzeitigen Ausstieg, um das Konto zu schützen.

Nur wer wirklich mehrere Monate diszipliniert ein Demo-Konto hoch getradet oder bereits ein kleines Live-Konto vergrößert hat, sollte den Versuch wagen. Wir haben vor drei Wochen selbst die Bewerbungsphase bei Leeloo gestartet und befinden uns bereits in der Evaluierungsphase. Nach elf Handelstagen konnten wir bereits knapp 2.000 US-Dollar erfolgreich ertraden und befinden uns somit auf einem guten Weg zur Kapitalisierung! Auf unserem Instagram-Kanal posten wir täglich unseren Performance-Auszug!

Keyfacts:

  • ein großes Eigenkapitalkonto ist für den Future-Handel nicht notwendig
  • man kann es auch über Fremdkapitalkonten machen
  • dann teilt man sich die Gewinne mit dem Kapitalgeber
  • … muss dafür jedoch eine schwere Prüfungsphase durchlaufen
  • die Regeln sind teils sehr schwer
  • das erfordert viel Disziplin und Durchhaltevermögen
  • der Handel über Fremdkapitalkonten hat auch Steuervorteile

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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