27. November 2022

Finanzielle Freiheit: Die 4-%-Regel bei der Entnahme

Es ist der Traum vieler Anleger: Irgendwann einmal so viel Geld auf der hohen Kante zu haben, um nicht mehr arbeiten zu müssen und von den passiven Einnahmen leben zu können. Das Konzept und die einzelnen Schritte der finanziellen Freiheit hatten wir in diesem Blog bereits ausführlich vorgestellt. Doch wie viel Geld wird dafür tatsächlich benötigt? Hier hilft eine einfache Faustregel: Die 4-%-Regel.

Diese besagt, dass man jährlich etwa 4 % seiner Ersparnisse entnehmen kann, ohne dabei in den nächsten 30 Jahren in finanzielle Schieflage zu geraten. Das setzt jedoch eine Geldanlage voraus, die im Schnitt eine höhere Rendite bringt als 4 %. Das schließt somit die einfache Geldanlage auf dem Tagesgeld aus, ein breit diversifiziertes Aktien- oder ETF-Portfolio ist zwingende Voraussetzung. Ein solches rentierte in den letzten Jahren mit durchschnittlich 7 % im Jahr. Unterstützt wird das Konzept natürlich durch den Zinseszins-Effekt, welcher über Jahrzehnte hinweg ein nicht zu unterschätzender Rendite-Boost ist.

Die 4-%-Regel geht zurück auf die Trinity-Studie

Dieses Konzept geht zurück auf die Trinity-Studie, welche im Jahr 1998 an der gleichnamigen Universität in Texas durchgeführt wurde. Sie wird heute noch regelmäßig aktualisiert. Darin berechneten Forscher unter Zuhilfenahme eines fiktiven Geldvermögens, das sich zur Hälfte aus US-Aktien und -Anleihen zusammensetzte, die Renditen über unterschiedliche 30-Jahres-Zeiträume. Sie berechneten, wie viel Vermögen man benötigte, um über alle Zeiträume hinweg nicht Bankrott zu gehen.

Dabei gingen sie zurück bis ins Jahr 1925 und wiederholten den Vorgang bis ins Jahr 1995, womit insgesamt 41 30-Jahres-Zeiträume durchleuchtet wurden. Selbst im ungünstigsten Fall wäre man niemals pleite gegangen, wenn man jährlich nur 4 % seines anfänglichen Vermögens entnommen hätte und das obwohl in diesem Zeitraum so einige Börsencrashes erfolgten.

Damit man jedes Jahr 4 % seiner Anlagen entnehmen kann, muss man also eine ordentliche Summe angespart haben. Um diese zu ermitteln, muss man zunächst seine monatlichen Kosten aufstellen, diese auf ein gesamtes Jahr hochrechnen und schließlich mit 25 multiplizieren.

Faktor 25 für die Jahresausgaben

Wer also 2.000 Euro im Monat für seinen Lebensunterhalt benötigt, der muss mindestens 600.000 Euro angespart haben. Mit monatlichen Ausgaben von nur 1.500 Euro sind es nur noch 450.000 Euro. Wer auf ein zusätzliches Einkommen in Form eines 450-Euro-Jobs aus ist, kann sich so sogar schon mit einem Depotvolumen von etwa 135.000 Euro begnügen.

Dass solche Summen gerade für junge Menschen kein unrealistisches Ziel sind, haben wir in diesem Blog bereits mehrfach aufgezeigt. Wer früh anfängt, seine Sparraten durch ein stetig steigendes Einkommen kontinuierlich erhöht und auf unnötige Luxus-Konsumausgaben verzichtet, kann dieses Ziel bis zu seiner Rente locker erreichen und somit einen sorgenfreien Lebensabend verbringen.

MonatsausgabenJahresausgabenBenötigtes Vermögen
450 Euro5.400 Euro135.000 Euro
800 Euro9.600 Euro240.000 Euro
1.000 Euro12.000 Euro300.000 Euro
1.500 Euro18.000 Euro450.000 Euro
2.000 Euro24.000 Euro600.000 Euro
2.500 Euro30.000 Euro750.000 Euro
3.000 Euro36.000 Euro900.000 Euro

Doch es gibt Kritik

Doch es gibt auch Kritik an der 4-%-Regel, weshalb diese nur als grober Richtwert anzusehen ist. Nicht beachtet werden in dieser Berechnungen Steuern und Gebühren sowie die Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung, welche dann von einem selbst getragen werden müssen. Außerdem ist der Aktienmarkt volatil. Die Kurse können steigen und fallen, die nötige Mindestrendite für dieses Konzept ist nicht garantiert. Ein zusätzlicher finanzieller Puffer ist daher ratsam.

Keyfacts

  • pro Jahr sollten maximal 4 % des Vermögens entnommen werden
  • dann kann man 30 Jahre lang sorgenfrei leben, ohne pleite zu gehen
  • man muss dafür seine Ausgaben kenn…
  • … und diese mal 25 nehmen
  • Steuern, Gebühren, Versicherungen und Volatilität werden jedoch nicht berücksichtigt
  • finanzieller Puffer ist immer ratsam

Andreas Stegmüller

Ist Gründer und Betreiber dieses Blogs. Hat während seiner mehr als zehnjährigen Redakteurs-Laufbahn schon für mehrere große Medien zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben. Die Börse ist seit 2016 seine Leidenschaft.

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